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Hörspiel für die Kieler Lukaskirche

Stefanie Polek und Chili M. Seitz Hörspiel für die Kieler Lukaskirche

Die körperlose Stimme, die die Anwesenden willkommen heißt, ist weiblich, kühl und makellos. Einschmeichelnd verspricht sie, dass nur noch „wenige Tests“ auf dem Weg zum Ziel zu bewältigen sind. Die glorianischen Abgeordneten haben auf der Erde missioniert, die Menge ist gefolgt, und nun befindet man sich eben im „Wartesaal zum großen Glück“.

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Szene im Wartesaal zum großen Glück mit (von links) Chili M. Seitz, Clemens Böckmann und Nora Grunwald.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Bereits zu Beginn des Stückes Hans und Gloria im Wartesaal zum großen Glück haben die beiden Künstlerinnen Stefanie Polek und Chili M. Seitz eine scheinbar angenehme Atmosphäre geschaffen, der man nicht so recht trauen möchte. 2014 im Rahmen einer Einladung zu den Händel-Festspielen Halle als Hörspiel entstanden, wagen sich die beiden Künstlerinnen gemeinsam mit dem Schauspieler Eirik Behrendt und Studenten der Muthesius-Kunsthochschule nun an die theatrale Inszenierung ihres Stückes.

 Währenddessen flötet die Stimme weiter. Gloria sei „ein glücklicher, strahlender Planet, in dem negative Gefühle wie Wut, Hass oder Trauer keinen Platz haben“ und stattdessen eine „angenehme Milde“ vorherrscht. Anlass für Missgunst gibt es nicht, denn jeder ist „gleich glücklich, gleich reich und gleich schön“. Ein Paradies, das nur auf den ersten Blick verführerisch wirkt. Der zweite Blick und die schleichende Erkenntnis, die er mit sich bringt, ist für die Künstlerinnen hingegen von besonderem Interesse.

 Behrendt verdeutlicht: „Es ist gruselig! Stellen Sie sich vor, da verspricht Ihnen plötzlich jemand, er habe die Antwort auf alle Ihre Fragen, und diese Antwort ist gar nicht mal so schwer.“ Spannend sei jener Moment, in dem man an diesen Versprechen zu zweifeln beginnt. Ist gleichgeschaltetes, müheloses Glück nach Kollektivrezept wirklich erstrebenswert?

 Spacige Kostüme verleihen dem Stück den Anstrich futuristischer Utopie, gleichzeitig zeigen Anspielungen auf den Barock die Zeitlosigkeit der Thematik. Das Spiel mit scheinbar unvereinbaren Gegensätzen zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück. „Wir spielen ja auch in einer Kirche, obwohl inhaltlich alles andere als die Aufforderung zur Gläubigkeit vermittelt wird“, sagt Polek. Mit diesen Mitteln schaffen die Künstlerinnen einen ambivalenten Raum, der verunsichert und hinterfragt. Und im besten Fall zum Nachdenken bringt, „denn wenn die Leute am nächsten Tag beim Frühstück sagen, ,ja, nett war’s gestern’ dann ist das die schlimmste Kritik“, lacht Seitz.

 Premiere am 9. Oktober um 20 Uhr in der St. Lukas-Gemeinde, Holtenauer Straße 327, freier Eintritt

Von Pia Teufl

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