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Vermisst in Eckernförde

Krimi „Strand ohne Wiederkehr Vermisst in Eckernförde

„Rasmussen, das ist einer, der gern Bier trinkt, laute Musik hört und dem die Großstadt als ewiger Stachel im Fleisch sitzt“, sinniert Hendrik Neubauer über seinen Helden, Kommissar Hans Rasmussen. „Und dem wollten wir eine Art Miss Marple an die Seite stellen.“ Die heißt in den Krimis von Neubauer und Ko-Autor Arnd Rüskamp Margarete Brix, ist Richterin a.D. und passionierte Hutträgerin, lebt in der noblen Seniorenresidenz Ykaernehus und gehört in Eckernförde quasi zum Stadtbild.

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Ruhrpott-Gewächs trifft Nordlicht: Das Autoren-Duo Arnd Rüskamp (li.) und Hendrik Neubauer.

Quelle: privat

Eckernförde. Zum dritten Mal ist das skurrile Duo in Strand ohne Wiederkehr im Einsatz, nach einem Mord am Swingerstrand von Aschau („Den gibt es wirklich!“) und einer toten Erotikclub-Betreiberin an der Schlei („Die Beate Uhse des Internet-Zeitalters“) bekommen es Rasmussen und die Brix jetzt mit einer mysteriösen Vermisstenserie am Eckernförder Südstrand zu tun, in der außerdem zwei unbedarfte Mülltaucher und eine Friseurin mit ausgeprägtem Hang zum Cosplay eine Rolle spielen.

 „Das ist doch ein Phänomen, mit welcher Akribie sich Leute da auf die reine Verkleidung kaprizieren, ohne sich für eine Geschichte zu interessieren“, sagt Neubauer und wundert sich immer noch. Ausgangspunkt für den Krimi, der ein paar ungewohnte Haken schlägt, bevor er in einem ordentlichen Showdown endet. „Beim Schreiben entwickeln sich die Dinge ja manchmal anders, aber es gefällt mir, dass der Gesellschaftskrimi hier eine andere Dimension kriegt.“

 Und wie geht sowas, zu zweit einen Krimi schreiben? „Das ist Pingpong“, sagt Hendrik Neubauer, der Teil des Autorenduos, der sich im Dänischen Wohld niedergelassen hat, während Rüskamp nur manchmal an der Schlei und meist im Ruhrgebiet lebt. „Einer fängt an, packt seine Geschichte in die Mail, der andere macht weiter.“ So etwas wie einen wegweisenden Masterplan gibt es aber schon und auch eine gewisse Rollenteilung – nach der sich Neubauer eher für Rasmussen zuständig fühlt, während Rüskamp die Brix begöschert. „Ich denke eher visuell, Arnd ist der Bewusstseinsfluss wichtig.“ Ein Unterschied, der sich in den eigenwilligen Charakteren ihrer Helden spiegelt und die der Historiker und Fotoredakteur und der Journalist durchaus pflegen: „Ich komme immer im St.-Pauli-Shirt zur Lesung“, so Neubauer, „er im Journalisten-Jackett.“

 Und ja, gestritten wird natürlich auch. Wenn sich die Volksreden der Brix in die Länge ziehen oder wenn es um die Nachvollziehbarkeit der Geografie geht. Vom Schrevenpark in Kiel, wo Gerichtsmediziner Amos Wiesel und sein Porsche ihre Heimat haben, bis zu Norbert Webers Galerie Nemo an der Eckernförder Promenade sind die Autoren da sehr akribisch. Außerdem haben sie die Fiktion bis ins wirkliche Leben hinein verlängert. Das im ersten Band Tod am Strand erfundene Gummiboot-Rennen „Gumm-Prix“ findet am kommenden Sonntag in Eckernförde schon zum vierten Mal statt. Die Online-„Postkarte aus Eckernförde“ streut allfreitäglich die neuesten Nachrichten über Rasmussen und die Brix. Und die Hans Dylan Band um Neubauer schafft den Geschichten ihren eigenen Soundtrack.

 „Musik hat ja auch in den Büchern ihren Raum“, sagt er, „ich mag den Anteil von Popkultur in den Geschichten. Und wenn mir beim Lesen so ein Songtitel begegnet, fängt sofort das Kopfradio an zu spielen.“

  Hendrik Neubauer/ Arnd Rüskamp: Strand ohne Wiederkehr. Emons-Verlag, 255 S., 10,90 Euro. Lesungen: 14. Juli, 19 Uhr, Buchhandlung Almut Schmidt, Zum Dänischen Wohld 23, Friedrichsort. 20. Juli, 19.30 Uhr, Lesehalle Laboe, Strandstraße 9a.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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