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Muskulöser Feingeist

Harfenist Xavier de Maistre im Streiber-Konzert Muskulöser Feingeist

Kiel. Xavier de Maistre ist für die Harfe heute das, was sein Kollege Maurice Steger für die Blockflöte ist: eine attraktive Symbolfigur, die ein ansonsten randständiges Instrument ins Rampenlicht rückt. Dass das 6. Streiber-Meisterkonzert im Schloss am Dienstagabend erfreulich gut besucht ist, dürfte auch an der Breitenwirkung des französischen Harfenisten liegen.

Kiel. Kiel. Xavier de Maistre ist für die Harfe heute das, was sein Kollege Maurice Steger für die Blockflöte ist: eine attraktive Symbolfigur, die ein ansonsten randständiges Instrument ins Rampenlicht rückt. Dass das 6. Streiber-Meisterkonzert im Schloss am Dienstagabend erfreulich gut besucht ist, dürfte auch an der Breitenwirkung des französischen Harfenisten liegen, der auf seiner aktuellen CD Romantisches von Smetanas Moldau bis hin zu Tschaikowskys Tanz der Zuckerfee zum Besten gibt.

 Neben de Maistre ist die Kammerakademie Potsdam zu Gast. Für ihre Einspielungen der Schubert-Sinfonien im vergangenen Jahr mit dem Echo-Klassik ausgezeichnet, beweist sie auch im Meisterkonzert beeindruckendes Format. Auf modernem Instrumentarium spielend, hinsichtlich des Originalklangs jedoch ansonsten ausgezeichnet informiert, präsentiert sie Johann Christian Bachs Sinfonie G-Dur op. 3 Nr. 6 mit enormer Verve und setzt dabei auf dynamisierende Lautstärke-Effekte, ohne überpointiert zu agieren. Auch das wunderbar offene Klangbild sorgt dafür, das man mit diesem selten gehörtes Werk einen Riesenspaß hat.

 In Händels Konzert für Harfe und Orchester B-Dur HWV 294 füllt Xavier de Maistre den Solopoart mit musikalischem Volumen aus und verbindet dabei Intensität und Intimität auf überzeugende Weise. Der sonst oft gläsern und fragil anmutende Ton der Harfe wirkt unter den Fingern des muskulösen Feingeistes ansteckend sanglich. Nach dem großen Applaus lassen die von Konzertmeisterin Meesun Hong Coleman schlagkräftig geführten Potsdamer die erste Konzerthälfte mit Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonie F-Dur Wq 183/3 effektvoll ausklingen.

 In Mozarts Klavierkonzert Nr. 19 F-Dur KV 459 muss der Harfenist nach der Pause beweisen, dass sein Instrument den Großklang eines Flügels ersetzen kann. Durch seine interpretatorische Präsenz gelingt de Maistre dies in vieler Hinsicht und doch muss man sich als Hörer in der veränderten und nun sehr kleinteilig wirkenden Architektur neu zurechtfinden. Mit ihrer herrlich aufmüpfigen Deutung von Haydns A-Dur-Sinfonie Tempora mutantur geht die Kammerakademie zum Finale noch einmal genau den umgekehrten Weg.

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