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Luftig leichter Dialog

Schilksee Luftig leichter Dialog

Jörg Plickat muss helfen. Yang weiß nicht, wie er das lange prismenförmige Konstruktionsteil auf die Kante seiner Installation aus USB-Platten aufdoppeln kann. Plickat rät zu Verbindungsstücken aus Metall, die es beim Baumarkt gibt. „Das besorgen wir schnell“, beruhigt er den etwas Ungeübten.

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Zum ersten mal im Ausland: Die 21-jährige Lamia aus Madrid liebt die Arbeit mit Holz. „Das ist lebendig so wie ich.“

Quelle: Marco Ehrhardt

Schilksee. Yang ist einer von vier Kunststudenten der China Academy of Arts Hangzhou, die am 1. Internationalen Hans-Kock-Symposium teilnehmen. Bis zum komenden Freitag arbeiten sie gemeinsam mit vier Studierenden der Universidad Rey Juan Carlos Madrid auf Gut Seekamp zusammen.

Plickat, der das Symposium gemeinsam mit Kollegen aus Madrid und Hangzhou leitet, muss an mehreren Baustellen gleichzeitig aushelfen. Gearbeitet wird mit kräftigen gehobelten Holzbalken, mit Stahl oder mit Stoff. Für Steinbildhauerei wäre die Zeit ohnehin zu knapp, sagt Plickat. „Hier auf Seekamp geht es eher um Rauminterventionen, die Objekte sollen fragiler sein, skizzenhaft, bewusst temporär und leicht.“ Einen Sommer lang sollen die Konstrukte mit Hans Kocks Skulpturen in Dialog treten. Und, vielleicht noch wichtiger ist als künstlerisch ausformulierte Lösungen, ist das Miteinander, das dank der Unterstützung der Bürgerinitiative Kulturpark Seekamp sichtlich gut funktioniert.

Bevor aber Johanna Beckmann von der Kock-Stiftung und Jens Jacobus als Vertreter der Bürgerinitiative darüber nachhaltig ins Schwärmen kommen, muss Plickat wieder zurück an die Werkbank. Da stehen Yu und Hang etwas ratlos beieinander. „Fast keiner der chinesischen Studenten hat schon mal eine Flex in der Hand gehabt“, sagt Plickat. „Die sind zwar fit mit dem PC, wissen aber nicht, wie man einen Tacker hält und könnten gerade noch eben mit dem Akkuschrauber umgehen.“ Plickat amüsiert das. „Die machen schon viel kaputt – ich leiste eben echte Pionierarbeit“, schmunzelt der zupackende Bildhauer, der schon seit 2011 als Gast an der Akademie von Hangzhou unterrichtet.

Die 21-jährige Lamia aus Madrid ist offensichtlich anders gestrickt. Sie hat ihre architektonisch anmutende Holzkonstruktion gerade millimetergenau mit Schraubzwingen fixiert und setzt nun mit sicherer Hand die Bohrmaschine an. Lamia will drei einander ähnliche Konstruktionsteile gegenüberstellen. Es dürfe ruhig an Design erinnern, sagt sie. Aber noch wichtiger: „Ich möchte ein Stück von mir, von meiner Persönlichkeit hier lassen.“ Und eigen ist ihr die Liebe zum Material. Zuerst wollte sie mit Stahl arbeiten, „aber das bin ich nicht“, sagt die junge Kunststudentin, für die das Symposium in Schilksee der erste Auslandsaufenthalt überhaupt ist. Nun arbeitet sie in Holz, „das ist wärmer und lebendig, mehr wie ich“, sagt Lamia und setzt sich die Schutzbrille wieder auf. Ach ja, ihr Großvater, der sei Zimmermann gewesen, das muss Lamia doch noch erzählen. Sie habe ihn zwar nicht kennengelernt, aber das liege eben doch in der Familie.

Unterdessen hat Shan, der sich mit seinem englischen Namen John vorstellt, eine luftig wirkende Metallkonstruktion in einem überlebensgroßen dreidimensionalen schlanken Holzrahmen eingepasst. Er will etwas über die seine Kultur erzählen. Jeder der Metallskulpturen stehe für einen Baum, der in der chinesischen Kultur eine besondere Bedeutung hat. Bambus, Kiefer und Pflaume. Im Pferdestall zeigt John Konstruktionszeichnungen und eine kleine Einführung über die Pflanzensymbolik. Wie ihm die Natur hier in Seekamp gefällt? Das sei wunderbar, sagt John, das Gelände, der Park, man hat soviel Platz für sich, das ist anders als bei uns. „Nur das Essen“, sagt er und schaut sehr sorgenvoll, es täte ihm wirklich leid, aber das schmecke ihm nicht.

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