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Eine gemeinsame Klangfarbenwelt

Studentenkantorei Kiel Eine gemeinsame Klangfarbenwelt

Im Jubiläumsjahr der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel setzt auch ihr heutiger Musikdirektor Bernhard Emmer in seinen Semesterkonzerten entsprechende Akzente. Mit seiner Studentenkantorei wird er sich bald den Gründungsmusiken der Universität widmen, beim Konzert des Collegium musicum steht am Montag im gut besuchten Kieler Schloss die Sinfonie in c-Moll Carl Georg Peter Grädeners auf dem Programm, der in den 1840er Jahren das Kieler Musikleben prägte und hier 1848 zum Akademischen Musikdirektor ernannt wurde.

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Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer im Bach-Saal der Kieler Universität.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Zuvor jedoch beginnt der Abend mit Peter Iljitsch Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 2 op. 44 in G-Dur, für dessen Aufführung mit dem aus Sachsen stammenden und in London lebenden Pianisten Andreas Boyde ein idealer Solist auf die Bühne tritt. Bei der Gestaltung seines Parts spannt Boyde einen schönen Bogen. Sein angenehm überlegter Zugang passt dabei gut zum Charakter des Werks, bei dem die Funken im Vergleich zum populäreren Ersten Klavierkonzert nicht so offensiv sprühen. Dafür entfaltet sich hier im Eröffnungssatz eine schöne Festlichkeit, deren Charakter Boyde am Klavier wunderbar konzentriert trifft und dabei auf eine hellwache Orchesterbasis zählen kann.

 Bernhard Emmer und sein Collegium musicum wissen es ganz offensichtlich zu schätzen, an diesem Abend mit einem Musiker zusammenarbeiten zu können, zu dessen Partnern bereits so namhafte Orchester wie das London Philharmonic und die Sächsische Staatskapelle zählten. So musiziert man hier gemeinsam in einer Klangfarbenwelt, in der nicht romantische Wucht, sondern Brio den Ton angibt. Sensibel und schlackenlos gestaltet Boyde im ersten Satz die Kadenzen, auf schlichte Weise berührend geraten auch seine Dialoge mit Geige und Cello im zweiten. Das hohe technische Niveau des Finales meistert er mit schöner Selbstverständlichkeit, so dass am Ende einer durch und durch glücklichen Aufführung großer Applaus steht.

 Auch bei der Umsetzung von Grädeners Sinfonie in c-Moll lassen Emmer und seine Musiker nach der Pause die gleiche Sorgfalt walten. So kann sich der Reiz des in Vergessenheit geratenen Werkes hier ungehindert entfalten, dessen klangliche Gestalt sehr gut zu dem vorhergegangenen Programmpunkt passt. Auch wenn sie streckenweise etwas simpel erscheinen mag, überzeugt sie doch in toto durch viele originelle Einfälle und eine aufgeräumte Grundstimmung, die die Wiederbeschäftigung als absolut lohnenswert erscheinen lassen, wie auch der abermals große Beifall unterstreicht.

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