3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Mit bewegendem Ernst

Studentenkantorei Mit bewegendem Ernst

Die Christian-Albrechts-Universität ist ein großer, atmender Organismus mit viel Hirn – aber eben auch Herz. Erstaunlich viele Studenten, Dozenten und Ehemalige engagieren sich außerhalb der Laboratorien, Bibliotheken und Schreibtische künstlerisch. Zum Semesterabschluss werben sie eindrucksvoll für Verdis Requiem.

Kiel Burgstraße 54.324389 10.141993
Google Map of 54.324389,10.141993
Kiel Burgstraße Mehr Infos
Nächster Artikel
Schauspielhaus-Intendantin Beier verlängert bis 2021

Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer mit den Solisten Dorothea Winkel (li.), Carola Günther und Daniel Sans (re.).

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Mit Giuseppe Verdis Requiem, dem späten sakralen Meisterwerk, geschrieben im Gedenken an den Freund und italienischen Nationaldichter Alessandro Manzoni, fluten die Studentenkantorei und das Collegium musicum nicht nur die Bühne und beinahe die gesamte Chorempore. Sie begeistern auch mehrere tausend Zuhörer an drei gut besuchten Abenden im Kieler Schloss.

 Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer, gerade vom Land mit einer Ehrenprofessur bedacht, beweist mit seinen überwiegend himmlisch jungen Heerscharen, wie stimmig oratorisch und eben kaum opernhaft die bewegende Totenmesse eines passionierten Kirchenkritikers klingen kann. In bester Rilling-Tradition schafft der Dirigent eine feinsämig fließende Verbindung zwischen Chor und Orchester, in der zwar Effekte vorkommen, aber eingebunden bleiben in einen tiefernsten, nirgends überheizten Kontext.

 Dazu passt die Wahl der Solisten bestens: Dorothea Winkel ist keine verdische Sopran-Heroine, sondern stimmlich eher der Typ Verkündigungsengel mit erstaunlich mühelos strahlender Bewältigung der komponierten Zumutungen in der Höhe. Auch Carola Günther und Thomas Peter orgeln sich nicht prahlerisch durch die Alt- und Bass-Partie, sondern gestalten Inhalte – in düsteren Momenten des drohenden „Nichts“ im Tode auch mal im krimitauglichen Flüsterwarnton. Dafür lässt der Tenor Daniel Sans beim Hoffen und Loben höchst geschmackvoll die Sonne aufgehen.

 Das Collegium musicum kultiviert einen dynamisch reich gestaffelten, angemessen gedämpften Ton, bewältigt die virtuosen Stellen ohne größere Holpereien und hat schöne Soli zu bieten – im Fagott (quid sum miser), in den beiden Violinen des ersten Pultes, im Querflöten-Trio, in den Ferntrompeten-Signalrufen. UMD Emmer lenkt die Massen sehr sicher und bedächtig durch die immer heiklen Fugen des Sanctus und Libera me dominus.

 Die Studentenkantorei, überwölbt von einem sanft aufstrahlenden Sopran, glänzt mit einem ausdrucksstarken Wort-Ton-Amalgam. Sie hält die Spannung und Intonation auch noch in der gefürchteten a-cappella-Passage nach dem Wiedergänger-Gewitter des Jüngsten Tages. Und sie nähert das Rettungsflehen am Schluss tatsächlich an Verdis utopisches Vierfach-Piano an. Entsprechend lang dauert im Konzertsaal die andächtige Stille vor den Publikumsovationen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3