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Freiheit zwischen grünen Hügeln

Muthesius-Symposium Freiheit zwischen grünen Hügeln

Nur 24 Jahre lang, von 1933 bis 1957, existierte das Black Mountain College in Asheville in den Hügeln des US-Bundesstaates North Carolina. Die schillernde Geschichte der Hochschule, die sich mit berühmten Namen von Lehrern und Ehemaligen wie Josef und Anni Albers, Albert Einstein, John Cage, Robert Rauschenberg, Walter Gropius, Willem de Kooning, Richard Buckminster Fuller oder Merce Cunningham verbindet, ist vom 26. bis 28. Januar Thema eines Interdisziplinären Symposiums der Muthesius Kunsthochschule. 

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Die Klasse des Architekten Richard Buckminster Fuller im Sommer 1948 auf dem Campus.

Quelle: Quelle: Wikipedia

Kiel. Eine Spende von 14500 Dollar, zwölf Lehrer und 22 Studenten bildete im Gründungsjahr die Basis dieser Hochschule, die sich in einem Sommerhotel einrichtete, das als Konferenzzentrum genutzt wurde. In der kurzen Zeitspanne bis zur Schließung 1957 wurde das College Impulsgeber für lange nachwirkende reformpädagogische Ansätze – in die New Yorker Kunstszene der Sechzigerjahre bis in die Gegenwart.  Black Mountain College als Multiversum lautet der Titel der dreitägigen Veranstaltung mit Gastreferenten von Berlin bis St. Petersburg. Ab Donnerstag will man sich dem Phänomen dieses legendären experimentellen Lehr- und Lernbetriebs nähern. Petra Maria Meyer, Professorin für Kultur und Medienwissenschaft, und Arnold Dreyblatt, Professor für Medienkunst, richten das Symposium und das parallele studentische BMC-Labor aus. Alle Vorträge sind öffentlich.

 Dreyblatt profitiert dabei von seiner Mitarbeit an einem vielbeachteten Ausstellungsprojekt, das 2015 im Hamburger Bahnhof in Berlin die Geschichte dieser kleinen rebellischen Hochschule nachzeichnete. Im reformpädagogischen Geist des US-amerikanischen Philosophen John Dewey und seiner „Kunst der Erfahrung“, des „learning by doing“, fühlte man sich einer demokratischen Grundhaltung verpflichtet. „Das College war ja keine reine Kunsthochschule, es gab dort alle Disziplinen“, sagt Arnold Dreyblatt, „was es nicht gab, waren Lehrpläne, Noten oder einen Abschluss.“ Vielmehr habe jeder Studierende selber die Aufgabe gehabt, einen nach Interessen und Fähigkeiten ausgerichteten Studienverlauf zu entwerfen, sagt Petra Maria Meyer. Und es ist wohl nicht falsch, das BMC als eine Art Schule des Lebens zu betrachten – mit Angeboten und Kursen zu bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Architektur, Mathematik, Ökonomie, Geografie oder Geschichte. Gemeinsam mit den Lehrern und ihren Familien lebte und arbeitete man auf dem Campus und versorgte sich durch die angeschlossene Farm weitgehend selbst, als Community eben.

 In den Anfangsjahren bot es auch jenen Zuflucht, die aus Deutschland vor den Nationalsozialisten fliehen mussten oder eine Alternative zum strikten wie hierarchischen en Lehrbetrieb amerikanischer Hochschulen suchten. „Bald gab es ein regelrechtes Netzwerk“, sagt Arnold Dreyblatt. Das gerade geschlossene Bauhaus brachte viele ans Black Mountain – Josef und Anni Albers hatten den Anfang gemacht.

 Kann Black Mountain mit seinem Freiheitsgrad überhaupt als Orientierungsgröße für eine heutige Kunsthochschule mit ihren reglementierten Studienbedingungen taugen? Petra Maria Meyer relativiert: „Das Reformmodell des BMC ist in mancher Hinsicht auch gescheitert, weil man auch hier auf Machtkämpfe nicht verzichten konnte.“ Dennoch sei das Modell einer individualisierten Bildung, die nicht auf den Erwerb bestimmter marktorientierter Fähigkeiten ausgerichtet war, immer noch modellhaft zu nennen.“ Und egal, was aus den BMC-Ehemaligen von Asheville geworden sei, sagt Arnold Dreyblatt, „alle sagen, dass Black Mountain das Erlebnis ihres Lebens gewesen ist.“

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