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Situationen und was sie in der Kunst bedeuten

Symposium an der Muthesius Kunsthochschule Situationen und was sie in der Kunst bedeuten

Wer beim Titel „Situationen“ des Interdisziplinären Symposions des Forums der Muthesius Kunsthochschule spontan an die Aktionen der Situationisten in den späten 60er Jahren denkt, liegt nicht ganz verkehrt – allerdings auch nicht unbedingt richtig.

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Situationen, wie sie der Fotokünstler Klaus Mettig reflektiert: Hier ein Panorama aus New Delhi von 2005.

Quelle: Klaus Mettig

Kiel. Denn Petra Maria Meyer, die das dreitägige Symposion konzipierte, will den Begriff „Situation“ weit über diese spezielle Kunstpraxis hinaus beleuchten: als Grundlage menschlicher Existenz und damit verbunden auch einer besonderen theoretischen wie praktischen Erkenntnis in der Kunst.

 Spätestens seit den Arbeiten von Jaspers, Heidegger, Merleau-Ponty, Sartre oder des lange Zeit in Kiel lehrenden Leibphilosophen und Begründers der Neuen Phänomenologie Hermann Schmitz gelten Situationen als allgegenwärtige Grundlage jeder Erfahrung, als „uns nicht Gegenüberstehendes, sondern Umfangendes“, wie der Leipziger Philosoph und Schmitz-Schüler Michael Großheim in seinem Vortrag (Do, 15 Uhr) erläutern wird. Für Künstler ist die Situation somit das immer schon vorhandene „Spielfeld“, auf dem sie sich in einer untrennbaren Verbindung von Kunst und Leben, von Erkenntnis – also der Erzeugung von Wissen – und Erleben, bewegen. Kunst kommt aus einer Situation und schafft neue Situationen. Doch wie diese Wechselwirkung funktioniert, welche sowohl ästhetischen als auch ethischen Implikationen Situationen und die künstlerische Auseinandersetzung mit ihnen haben, das ist bisher wenig erforscht. Dazu will das Symposion beitragen.

 Aus seiner künstlerischen Praxis beim Umgang mit Situationen berichtet der renommierte Fotokünstler Klaus Mettig (Fr, 18 Uhr) anhand seiner Panoramafotos, in denen er „die Wahrnehmung und Wirkung der Mechanismen globaler Politik reflektiert“. Etwa indem er einen Inder in New Delhi ablichtet, der „hingegossen wie ein Buddha“ inmitten einer Straßenszene liegt, – oder das Fahnenmeer auf einem Platz in Ramallah, wo eine Konfliktsituation geradezu greifbar in der Luft liegt.

 Ob Situationen sich auch konstruieren, wenn nicht sogar manipulieren lassen, diese Frage ist in den darstellenden Künsten wie Theater, Performance und Film und nicht zuletzt auch in der den (öffentlichen) Raum gestaltenden Architektur schon lange virulent. Unter anderem Ludwig Fromm beleuchtet sie in seinem Vortrag mit dem provokanten Titel „Geleitete Emotionen – Szenografie zwischen Ethik und Manipulation“ (Do, 17 Uhr).

 Die immer schon vorhandene Situation ist auch Ausgangspunkt für die „gegenwärtige Diskussion des Präsentischen“, wie sie Marie-Luise Angerer in ihrem Vortrag (Sbd, 16 Uhr) aufgreift. Wie lässt sich das Momenthafte, das unbedingte „Hier und Jetzt“ der Situation im Kunstwerk festhalten, um es „als Dauer in Bewegung erfahrbar zu machen“? Auch die Lecture-Performance der international bekannten Performerin, Schauspielerin und Regisseurin Anna Kohler mit Studierenden der Kunsthochschule (Sbd, 18 Uhr) spürt den wechselnden Situationen während des Gestaltungsprozesses nach und wie sich diese für die Kunst fruchtbar machen lassen.

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