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Wer kann, der kann

Synje Norland im Lutterbeker Wer kann, der kann

Synje Norland ist eine Musikerin, die sich gerne selbst ausprobiert. „Weil ich wissen wollte, ob ich es kann“, fasst die gebürtige Niebüllerin ihren ursprünglichen Antrieb zusammen, eigene Songs zu schreiben.

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Angenehm puristisches Release-Konzert: Synje Norland mit ihrem Stammcellisten Michael Becker im Lutterbeker.

Quelle: bos: Björn Schaller

Lutterbek. Den Titel ihrer dritten CD Who Says I Can't? darf man vor diesem Hintergrund als aktuelle Zwischenbilanz interpretieren. „Wer sagt’s denn?“, denkt man auch als Hörer des Werks, dessen herbe Herzlichkeit einen rasch die beinahe fünf Jahre Wartezeit wie auch die Tatsache vergessen lässt, dass Norland zwischendurch gemeinsame Sache mit den Süßwassermatrosen von Santiano machte.

 Der spröde Folk des Album-Openers Riverside verfehlt auch im gut besuchten Lutterbeker seine Wirkung nicht, wo Nordland und ihr Stammcellist Michael Becker am Wochenende ein angenehm puristisches Release-Konzert bestreiten. Der Duo-Rahmen des Auftritts sorgt einerseits für eine kammermusikalisch intime Bühnenatmosphäre. Andererseits greifen die beiden Künstler dabei tief in die musikalische Trickkiste, sampeln und loopen sich beständig selbst, so dass im Hintergrund eine eindrucksvolle Geister-Band mit am Werk ist. Zu den unsichtbaren Bühnenakteuren zählt überdies Norlands „kleiner Sub-Bassist“: Die Sängerin ist unübersehbar schwanger und witzelt diesbezüglich, sie sei in den langen Jahren zwischen dem letzten und dem aktuellen Album richtig „fett“ geworden. Das ganze Konzert über bilden ihre unbedarft humorigen Moderationen einen gewissen Gegensatz zu dem reifen Charakter ihres Albums, das sie live in schöner Verbundenheit mit Becker performt. Als Singer-Songwriterin setzt sie dabei verstärkt auf dunklere Klangfarben, über denen sich ihre klare Stimme reizvoll entfaltet.

 Sich mal auf der elektrischen, mal auf der akustischen Gitarre begleitend, scheint Norland die einzelnen Songs der CD dabei zu einer großen Geschichte zusammenzufügen. Becker bereichert diese nicht nur um eine sangliche Cellostimme, sondern ergänzt sie insbesondere mit versiertem Pizzicato-Spiel zugleich um viele rhythmische Fußnoten. Wer will, kann bei alledem durchaus den Geist von Norlands Heimat Nordfriesland entdecken, in die die Sängerin gerade wieder zurückgezogen ist. Ebenso gut kann man ihrem kantigen Pop internationales Format bescheinigen. Die Aura der Selbstbestimmung, die sie umgibt, würde zu beiden Perspektiven passen. Und so nimmt es dieser erstaunlichen Künstlerin auch niemand übel, dass sie ihren Auftritt bereits nach einer guten Stunde beschließt. Mit ihrer auf die Knochen reduzierten Version des Genesis-Klassikers I Can't Dance bietet Synje Norland ihrem hochzufriedenen Publikum zum Ausklang dann noch eine echte Überraschung. Keine Frage: Wer kann, der kann.

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