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Mit Haken und Ösen

Theater Kiel Mit Haken und Ösen

Hunderte Seiten umfassen die Niederschriften der Seeleute Richard Stumpf und Carl Richard Linke. Beide taten Dienst an Bord des Großkampfschiffes „SMS Helgoland“, ihre Schilderungen spiegeln die Innenansichten eines 1. Weltkrieges aus der Sicht der einfachen Matrosen. Das ist der Stoff, aus dem das Werftpark-Theater die szenische Lesung "Endlich, endlich, endlich Seeschlacht!" über die Skagerrak-Seeschlacht extrahiert.

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Das Tönen der Raumklangschwaden

Probe in der Alten Gießerei: (v.li.) Tom Keller, Regisseurin Anne Spaeter und Eirik Behrendt.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die szenische Lesung über den Konflikt zwischen Deutschland und England findet am geschichtsträchtigen Ort, dem Industriemuseum Alte Gießerei statt. Premiere ist am 31. Mai, das Datum, an dem sich der Beginn der Schlacht zum 100. Mal jährt. Für Regisseurin Anne Spaeter, die den Stoff bereits (mit anderem Schwerpunkt) 2014 für die Landesbühne Nord in Wilhelmshaven eingerichtet hatte, ist das Material zunächst mal „ein Zeitdokument, das wir nicht bewerten wollen“. Dennoch sagt sie über den anfangs grassierenden Hurra-Patriotismus: „Das ist schon manchmal schwer erträglich.“ Tom Keller, der Stumpfs Textpassagen liest, meint dazu: „Mit dem Wissen von heute wäre es leicht, das abzuurteilen, aber wie man sich selbst verhalten hätte, dafür kann niemand die Hand ins Feuer legen. “ Zum Einsatz kam die Vorzeige-Flotte des deutschen Kaisers zunächst lange nicht. „Große Strecken der Tagebücher drehen sich um die schlechte Behandlung der Mannschaft, den sinnlosen Drill und das Gefühl der Nutzlosigkeit“, so Anne Spaeter. Die Einstellung unter den Matrosen beginnt zu kippen, als sie sehen, wie die Offiziere sich opulente Mahlzeiten genehmigen, während die Mannschaft zunehmend darbt. Selbst Richard Stumpf kommt sein glühender Patriotismus abhanden.

 Theaterleiter Norbert Aust, der die Lesung anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Kieler Matrosenaufstands nach Kiel geholt hat, meint: „Durch die Schilderungen der Lebensumstände bekommt man einen Zugriff auf das Geschehen, es wird heruntergebrochen auf die Individuen.“ Auch wenn es kein völliges Eintauchen der Schauspieler Eirik Behrendt und Tom Keller in ihre Rollen gebe, werde auf der kleinen Bühne unter dem rostigen Lastkran, „Laufkatze“ genannt, doch mit Stimmen, Geräuschen und teils auch Instrumenten Atmosphäre erzeugt. Der Text tut sein Übriges. Tom Keller: „Das ist kein Meta-Text, sondern es sind unverstellte Erfahrungen mit all ihren Fehlern, Haken und Ösen.“ Auch wenn sie wohl von beiden Männern nach dem Krieg noch überarbeitet wurden, wie Anne Spaeter anfügt: „Hier stecken jede Menge Blut, Schweiß und Tränen drin.“

www.theater-kiel.de

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