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Seitenwechsel im Ballettsaal

Premiere morgen: Junge Choreografen im Schauspielhaus Kiel Seitenwechsel im Ballettsaal

In der Reihe "Junge Choreografen" haben die Tänzer des Kieler Balletts Gelegenheit, die Seiten zu wechseln und sich als Choreografen auszuprobieren. Sechs von ihnen stellen am Freitag im Schauspielhaus

ihre Stücke vor. 

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Gemeinschaftsarbeit: Edward Gottschall (li.) begutachtet Anastassija Jastrzebova und Meirambek Nazargozhaev.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. . Kiel. Im Ballettsaal herrscht Experimentierlaune. Anastassija Jastrzebova und Meirambek Nazargozhaev proben einen verschlungenen Pas de Deux, den die Tänzerin zum Tango de Roxane aus Baz Luhrmanns Filmmusical Moulin Rouge kreiert hat. Edward James Gottschall ist zwar eigentlich schon auf dem Sprung, hat jetzt aber noch eine Idee dazu. Und Shori Yamamoto ist gleich mittendrin, setzt den Körper in Schlangenbewegung, redet mit Händen und Füßen und steckt die Kollegen damit an.

 Einmal im Jahr haben die Tänzer des Kieler Balletts die Gelegenheit, die Seite zu wechseln und selbst zu choreografieren. Sechs haben sich inspirieren lassen und stellen am Freitag im Schauspielhaus ihre Stücke vor. Die meisten davon haben Gottschall und Yamamoto gestaltet – in Gemeinschaftsarbeit. „Wir haben unterschiedliche Arten der Bewegung, aber eine ähnliche Denkweise“, sagt Gottschall, „und das funktioniert.“ Anastassija Jastrzebova gefällt, wie ihre Arbeit spontan zum Gemeinschaftsprojekt wird: „Ich finde es toll, das alle dabei sind und mitdenken.“ Die Ukrainerin aus Hamburg hat sich für den Abend Junge Choreografen eine Begegnung in der U-Bahn ausgedacht: „Es geht um zwei Leute, die nicht mehr allein sein wollen. Ich zeige eine Was-wäre-wenn-Geschichte.“

 Auch Tänzer Martin Anderson hat Lust aufs Experiment. „Für mich ist das ein Versuch nach dem Motto: Mal sehen, was passiert“, sagt er. Eine Geschichte will der Brite nicht erzählen; lieber mit seinen sechs Tänzern anhand der musikalischen Strukturen Tanz und Bewegung zu erkunden: „Das hat mich schon immer interessiert.“ Anders als Anastassija beschränkt sich Martin dabei auf die Rolle als Choreograf: „Es ist schwierig, gleichzeitig zu choreografieren und zu tanzen. Ich kann mich ja dabei nicht sehen.“ Anastassija stimmt zu: „Manchmal habe ich eine Idee, aber keine Ahnung, wie sie wirkt, wenn ich sie tanze.“ Ein Grund mehr, sich auf die wachen Augen der Kollegen zu verlassen.

 Elf kleine Uraufführungen stehen heute auf dem Programm, zu Musik von Elgar bis Satie, von Grieg bis Gershwin und – ein Novum – zu Teilen live begleitet von einem Streichquintett aus Kieler Orchestermusikern und einem Pianisten. Initiiert haben das Kontrabassist Heiko Maschmann und Kapellmeisterin Bettina Rohrbeck, die auch eine Vier-Minuten-Musik für Martin Anderson geschrieben hat. „Wir haben uns getroffen, Martin hat mir gesagt, was er sich dramaturgisch vorstellt, dann habe ich geschrieben und es ihm vorgespielt“, erzählt die Kapellmeisterin. „Dabei ist so ein Wechselspiel entstanden, das für uns beide spannend war.“ Das sieht Martin Anderson ähnlich: „Für mich hat es die Sache einfacher gemacht und mir den nötigen Fokus gegeben.“

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