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Wo neue Bauten überraschen

Tag der Architektur Wo neue Bauten überraschen

Jedes Jahr aufs Neue birgt der „Tag der Architektur“ Überraschungen. Ist das künstlerische Niveau der Bauten hoch, gibt es neue Tendenzen, sind Entdeckungen zu machen? Kreativität beim Entwurf von Häusern für alle möglichen Zwecke entwickelt sich erneut an ungewöhnlichen Orten. Ohne anspruchsvolle, selbstbewusste Bauherren, die diese „Auftragskunst“, zu der die Architektur ja nun einmal zählt, haben wollen und bezahlen, geht es nicht. Aus 27 neuen oder umgebauten Häusern, die ihre Türen am Wochenende mit Führungen für das interessierte Publikum öffnen, haben wir sechs besondere ausgewählt. Von Ulrich Höhns

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Die Servicestation im Sport- und Begegnungspark in Kiel-Gaarden. Führung am Sonntag, 14. Juni 2015, um 11 Uhr.

Quelle: Zastrow+Zastrow

Kiel. Expressiv: Herausragend und alleinstehend in jeder Hinsicht ist eine schöne, in sich geschlossene und zugleich zur Landschaft geöffnete Gruppe von Wohnhäusern in Kappeln. Sunder-Plassmann Architekten aus Kappeln haben eine fächerartig gefaltete, ausdrucksstarke Figur aus 15 schmalen, dabei recht tiefen Häusern geschaffen. Die expressive Gesamtform passt genau an diesen besonderen Ort am Ufer der Schlei, die zum Greifen nah ist. Jedes Haus ist erkennbar eine Einheit für sich, und alle zusammen bilden sie eine Skulptur, die wie ein Ausschnitt aus einer alten Stadt erscheint.

 Haus im Haus: Unweit davon steht in Maasholm ein Ferienhaus aus dem Jahr 1970, das den heutigen Anforderungen an Wärmedämmung nicht mehr genügte. Die Architekten Hauke und Grube aus Bad Oldesloe umhüllten es an drei Seiten mit einer geometrisch klar und abwechslungsreich strukturierten Glasfassade und legten ein neues Flachdach über alles. Der Altbau ist jetzt der Kern einer wohnlichen Glasbox, und die hellen Pufferzonen zwischen Alt und Neu werden zum großen Wintergarten.

 Stadtmaßstab: Altengerechte Wohnungen mitten in der Stadt zu bauen, ist eine kluge Entscheidung. Im Kieler Wohnviertel am Bäckergang und am Walkerdamm haben die Architekten DHBT aus Kiel dies mit modernen, differenziert gestalteten Ziegelbauten erreicht, in denen sich auch Eigentumswohnungen befinden. Teils private, teils öffentliche Außenräume kommen dem ganzen Wohnviertel zugute. Mit diesem Bekenntnis zur verdichteten Stadt wird allerdings auch ein neuer Maßstab eingeführt, und der enorme Sprung in die Höhe führt zu Brüchen beim Anschluss an die kleinen Nachbarhäuser, die nun wohl auch wachsen müssen.

 Skulptur mit Dachgarten: Hinter dem sperrigen Begriff „Zentrale Servicestation für den Sport und Begegnungspark“ in Kiel-Gaarden verbirgt sich ein ungewöhnlicher Bau. Die Architekten Zastrow und Zastrow aus Kiel erfüllten aber nicht nur das geforderte Raumprogramm, sondern schufen mit der lang gestreckten Form, unten aus Sichtbeton, oben mit rostenden Stahlplatten verkleidet, zugleich eine robuste, begehbare Skulptur. Man kann ihr barrierefrei aufs Dach steigen oder aus einem Raum an der Spitze durch ein Panoramafenster den Ausblick aufs Parkgelände genießen.

 Große Form: Die Holstenhallen in Neumünster sind als großes Veranstaltungszentrum eine Institution. Die markanten Ziegelbauten mit dem Tonnendach waren in die Jahre gekommen und wurden von PSP Architekten Ingenieure aus Hamburg durchgreifend modernisiert. Ein neues, 2000 Quadratmeter großes Foyer verbindet jetzt die Gebäude miteinander, wobei die schöne, lebhafte Ziegelfassade der Halle 1 jetzt den neu geschaffenen Innenraum bestimmt. Das Wechselspiel zwischen Innen und Außen, zwischen der sichtbar alten und der modernen, neuen Form ist reizvoll. Die Historie und der Geist des Ortes wurden bewahrt und wirken weiter in die Zukunft.

 Kleiner Baustein: Ein kleines Haus funktional optimal und zugleich stimmig in seinen Proportionen zu gestalten, gehört zu den reizvollen, aber auch schwierigen Aufgaben für Entwerfer. DOCK Architekten aus Kiel haben sie mit dem Neubau für eine Zahnarztpraxis in Plön unterhalb des Schlosses zeitgemäß gelöst. Er ersetzt einen bescheidenen Altbau und hält dessen Ausmaße und die städtischen Spielregeln ein. Die Architektur tritt einfach und klar auf, und die Fassadengeometrie des Klinkerbaus mit einem kecken Dacherker als plastischem i-Tüpfelchen ist spannungsgeladen, aber nicht aufdringlich.

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