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Gute Laune aus der bunten Tüte

Linda Zervakis zu Gast in Kiel Gute Laune aus der bunten Tüte

Ein Besuch in Kiel ist für Linda Zervakis „immer ein bisschen wie nach Hause kommen.“ Schließlich war sie hier mehrere Jahre für den NDR als Reporterin für das Schleswig-Holstein Magazin unterwegs. Jetz kam zur Lesung ins Kulturforum.

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Augenzwinkernder Plauderton: Linda Zervakis.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Manche der ehemaligen Kollegen hatten sich im vollbesetzten Kulturforum eingefunden, wo die Hamburgerin mit griechischen Wurzeln, seit 2013 als Moderatorin der Hauptausgabe der Tagesschau bekannt, im Rahmen der Reihe „Literatur pur“ aus ihrer Autobiografie Königin der bunten Tüte las.

 „Mit Blick auf die Uhr kann ich nur sagen: Guten Abend, meine Damen und Herren“, begrüßte sie ihr Publikum pünktlich um 20 Uhr mit seriöser Tagesschau-Miene und erntete den ersten Lacher des Abends. Es sollten noch viele folgen. Gut gelaunt und gänzlich unaufgeregt plauderte die 40-Jährige drauflos und streute zwischendurch selbstironische Hinweise auf ihre kulturellen Wurzeln oder ihre „große Fernsehkarriere“ ein. „Sie werden sich fragen: Warum schreibt die Bücher? Die Antwort ist einfach: Griechen brauchen Geld“, klärte sie ihre Zuhörer auf, von denen nicht wenige ihr Buch bereits kannten, das in dieser Zeitung als Fortsetzungsroman abgedruckt worden ist.

 Gewidmet hat sie es ihren Eltern, die Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland aufbrachen, wo später Linda und ihre Brüder geboren werden. Ein Kiosk in Hamburg-Harburg, in dem die Tochter fortan als „Chefeinkäuferin für das Süßigkeitenparadies“ zuständig war, ermöglicht dem Vater den Schritt in die Selbstständigkeit. Für Linda wird der Laden zum sprudelnden Quell vielfältiger Begegnungen. „Ein Kiosk ist wie der Frisör des Viertels. Tatsächlich habe sie nie vorgehabt, dieses Buch zu schreiben. Auslöser war eine Talk-Sendung im Radio, in der sie ein paar von ihren Kiosk-Geschichten zum Besten gegeben hatte. „Kurz darauf rief mich eine Lektorin von Rowohlt an und fragte, ob ich daraus nicht ein Buch machen wollte. Ich sagte: Eigentlich nicht.“ Doch die Lektorin ließ nicht locker und irgendwann saß sie „bei Schnittchen“ im heimischen Wohnzimmer und die Moderatorin war weichgeklopft.

 „Ich habe dann meinen Mann gebeten, mich zu interviewen, damit ich mich an alles erinnere. Und beim Erzählen stellte ich fest, dass es wirklich lustige Geschichten waren.“ Bevor sie mit dem Lesen beginnt, hat Linda Zervakis noch eine Anmerkung zum Ablauf des Abends auf Lager: „Ich kann ja eigentlich nur 15 Minuten am Stück lesen“, gibt sie mit Blick auf die Dauer der Tagesschau augenzwinkernd zu bedenken. Deshalb sei nach 45 Minuten eine Pause geplant, zum Signieren. „Ich hoffe, dass Sie wiederkommen.“ Eine unbegründete Sorge. Mit ihrem durchweg sympathischen, quicklebendigen Auftritt, bei dem sie den griechischen Akzent ihrer Mutter genauso hochleben ließ wie das breite Hamburgisch der alten Stammgäste aus dem Viertel, erwies sie sich als glänzende Unterhalterin. Nach der Pause war der Saal jedenfalls so voll wie zuvor.

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