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Friesin im Farbrausch

Tamer Serbay auf dem Museumsberg Friesin im Farbrausch

Das Motiv wählt er nicht aus, es muss zu ihm sprechen, sagt Tamer Serbay und steht vor einem vibrierenden zweiteiligen Farbakkord, auf dessen rechter Hälfte zwei identische Mädchenfiguren in Blauviolett und Magenta aus dem Bild schauen. Katrine hat Tamer Serby bei Käte Lassen ausgeborgt, der sie 1919 für ihr gleichnamiges Bildnis Modell stand. Daneben wird es so gut wie monochrom: Diese Partie der friesartigen Komposition hinter spiegelndem Plexiglas erinnert an Farbfeldmalerei der Sechziger.

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Tamer Serbay entfacht durch digitale Bearbeitung ein Farbfeuerwerk in den weißen Räumen des Heinrich-Sauermann-Hauses in Flensburg.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Flensburg. Mit ihr habe er sich geradezu angefreundet, sagt Tamer Serbay in seiner sympathisch lakonischen Art, „ja, wir haben miteinander gesprochen.“ Nach Zwischenstationen in Serbays Digitalkamera und im Photoshop seines Apple-Computers ist Katrine jetzt in der Gegenwart gelandet. Die Anverwandlung hat Methode und die ist im Digitaldiskurs mehr als geläufig. Cross Over heißt folgerichtig das Projekt, das sich konsequent mit Gemälden aus der Sammlung des Flensburger Museumsbergs beschäftigt. In den weißen Räumen des Heinrich-Sauermann-Hauses reibt man sich in der Tat die Augen: Tamer Serbay entfacht hier ein knalliges Farbfeuerwerk, das jeden grauen Herbsthimmel glatt an die Wand spielt. 16 Gemälde schleswig-holsteinischer Größen wie Hans Olde oder Carl Ludwig Jessen, Hans Peter Feddersen oder Otto Heinrich Engel nutzt der Künstler in Ausschnitten, jagt sie durch seine Bildbearbeitungs-Software, bis er es zufrieden ist. – Klar, da winkt Andy Warhol als ziemlich bester Freund, der hat ja Leonardos Mona Lisa ebenso dupliziert hat wie dessen Letztes Abendmahl.

 Aber das ist wie gesagt nur die halbe visuelle Botschaft von Serbays Cross over. Den Fotoprint flankiert er systematisch mit Hinterglasmalerei, die farblich oder motivisch kommentiert, akzentuiert oder provoziert. Das macht sich ungemein gut in den Museumsräumen, funktioniert aber nicht bei allen Motiven gleich überzeugend. Manche Solarisationseffekte erinnern schwer an die psychedelische Ästhetik der Siebziger, dann wieder erliegt Serbay den süßen Versuchungen des Mediums. In anderen dagegen wie in der blausatten Landschaft mit Flößen nach einem Feddersen-Gemälde sprechen Malerei und digitale Reproduktion miteinander und lassen tatsächlich etwas eigenwillig Neues aufscheinen.

 Serbay, der vor über 30 Jahren aus der Türkei zum Studieren nach Kiel kam, ist eine feste Größe im hiesigen Kunstbetrieb. Und er ist einer, der die Dinge mit langem Atem betreibt, bevor er nach eigenen Worten einen Cut macht. Lange Jahre schätzte man seine feinsinnigen Papierarbeiten und Installationen, bis ihn vor zehn Jahren wieder die Lust an der Malerei packte. Dass er nicht an seinen pointillistischen Landschaften der frühen Achtziger anknüpfen konnte, stand außer Frage. Zeitgenössisch Position zu beziehen, ist sein Anspruch, den er inzwischen mit einer Bilderserie unter Beweis gestellt hat, die im Nachklang zu einer Reise auf den Spuren des osmanischen Reiches entstanden ist.

 Michael Fuhr hat nach Daniel Spoerri und René Schomakers nun zum dritten Mal einen Künstler zur Auseinandersetzung mit der Sammlung eingeladen. Ihm gefällt der Gedanke, alte Freunde durch eine neue Brille zu sehen. Das Publikum wird er dabei auf seiner Seite haben.

  Museumsberg Flensburg. Bis 8. Januar. Di-So 10-17 Uhr. www.museumsberg.de

 

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