21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Musikalische Freibeuter

Tante Polly in der Schaubude Musikalische Freibeuter

Der Abend ist vorangeschritten, doch in der Schaubude herrscht Frühschoppen-Stimmung: „Heute ist uns alles wurst und wir haben Durst“, tönt es vielkehlig durch den gut besuchten Club, in dem Tante Polly aus Hamburg gastieren.

Voriger Artikel
Sinnsucher im Erinnerungsraum Sylt
Nächster Artikel
Mit Rap und doppeltem Boden

Seeräuberswing, Shantys und auch mal ein schnoddrig interpretierter Jazz-Standard: Tante Polly aus Hamburg.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Jazzfans erkennen in deren Song Allein in der Küche unschwer den Standard I've Found A New Baby wieder, den das Quartett überzeugend schnoddrig einnordet. Zugleich sorgt Benjamin Leibbrands Altsaxofon dafür, dass er dennoch einen schönen New-Orleans-Vibe hat.

 Das selbstgewählte Prädikat „Seeräuberswing“ bildet die große Klammer um den vielförmigen Polly-Sound, in dem sich Jazz und Blues homogen mit Shanty und Schlager verbinden und zuweilen der Ska für zusätzliche Dynamik sorgt. Bereits zum zweiten Song Einsam und pleite tanzt das erste Paar Jive. Zu ihrer Musik würde sich auch „Slow Pogo“ anbieten, witzelt Leadsänger und Keyboarder Dominik Dittrich und gibt in der Bluesrock-Nummer Im Radio liefen CCR überzeugend den Balladier. Sein markantes Organ klingt mitunter, als hätte Sven Regener mit Stefan Gwildis gefrühstückt. Textlich mögen es Tante Polly jedoch gerne rustikal.

 Auch die sonstige Performance unterstreicht diesen Habitus. Von Zeit zu Zeit tauscht Sebastian Strehler die Jazzbesen gegen eine Konfettipistole aus, zur Mitte des Gigs beginnen sich die Bandmitglieder mit den Vornamen ihres andersgeschlechtlichen Elternteils anzureden und bitten das Publikum, es ihnen gleich zu tun. Fortan hat man es also mit Bärbel, Martina und Co. zu tun, die durch den sukzessiven Einbezug zusätzlicher Instrumente wie Baritonsaxofon und Klarinette, Quetsche und Gitarre für weitere Abwechslung sorgen. Im Finale setzen Tante Polly verstärkt auf Shantys. Da der Abschied zu den Leitmotiven des Seemannslieds gehört, entlässt das Publikum das Quartett nach anderthalb Stunden mit großem Applaus in die Nacht. Ein ehrlicher Abend. Jungs, kommt bald wieder!

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3