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Inszenierung von „Königs Moment“ überzeugte

Thalamus Theater Inszenierung von „Königs Moment“ überzeugte

Das Kieler Thalamus Theater feiert 20-jähriges Bestehen und hat sich selbst das größte Geschenk gemacht: Seine umjubelte Inszenierung des Stücks „Königs Moment“ würde jede Großstadt-Off-Theaterbühne schmücken.

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Eindrucksvoller Parforceritt: Das Thalamus Theater überzeugte mit seiner Inszenierung von „Königs Moment“ in der Hansa48 in Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Es hatte einst so schön angefangen: Herr König und eine unbekannte Schöne kraulen durch das Schwimmbecken, in wenige Augenblicken werden sie zusammenstoßen und sich so kennenlernen. Von zwei schwarzen Gummibändern gehalten, prallen die Darsteller Stefan Schwarze und Katrin Brinkmann aufeinander. Nur eine von vielen Situationen in der Bearbeitung des Stücks von Jan Neumann durch das Regie-Trio Karl Elbl, Dirk Wegner-Ulke und Michael Nötzel.

Gezeigt wird Königs Leben: „Ein finaler Film, 59 Jahre, zusammengeschrumpft auf einen Moment“, so kommentiert es einer der sechs Darsteller, die sich immer wieder aus dem Spiel heraus an das Publikum wenden und Erklärungen abgeben, oft während sie noch weiter in der Szene agieren. Ein Dreh, der allein schon durch die Diskrepanz zwischen dem Gesehenen und Gesagten eine ironische Fallhöhe erzeugt.

Auf der multifunktional mit zwei angedeuteten Leitplanken und einem Autositz eingerichteten Bühne, die wahlweise auch als Klassenzimmer des Erdkundelehrers König, als Berliner Mauer oder familiäres Reihenmittelhaus dient, spult sich die Geschichte des Durchschnittsmenschen König ab, der auf der Autobahn, von der Geliebten kommend, die Kontrolle über den Wagen verliert und sein Leben an sich vorbeiziehen sieht.

Der sprachlich und inhaltlich anspruchsvolle Stoff wird von den Thalamus-Leuten rasant, originell und stimmig in Bilder umgesetzt. Das ganze Ensemble agiert auf hohem Niveau. Allen voran Stefan Schwarze als Herr König, der liebt, lacht, Revolutionsreden hält - leider aber meist nur in seiner Fantasie. Sein ebenbürtiges Gegenüber gibt Katrin Brinkmann als seine Frau, die früher taff, in der Gegenwart resigniert, die Aggressionen wie die übermäßigen Mahlzeiten in sich hinein schaufelt.

Eindrucksvoll der Parforceritt der beiden durch Schwangerschaft, Geburt und den frühen Tod des einzigen Kindes (Per Ove-Thießen): ein Wechselbad, berührend und unkitschig. Aber auch viel Komik steckt in „Königs Moment“: der hinter einem roten, im Walzertakt schwankenden Betttuch verborgene Liebesakt mit Fräulein Bauer (Gesa Gurski), die überdrehte Slapstick-Einlage des von König bewunderten Tänzers (Dirk Wegner-Ulke). Das alles trocken kommentiert. Großartig.

Weitere Termine: 7. und 8.10., 20 Uhr, Hansa48, Hansastraße 48

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