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Ein ganz normales Leben

Thalamus-Theater mit „Königs Moment“ in der Hansa48 Ein ganz normales Leben

Ein Mann fährt Auto, nachts, allein auf der Autobahn. Im Radio eine Sendung über den Urknall. Da passiert es: Herr König erlebt seinen ganz persönlichen Urknall. Stoff fürs Theater.

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Herr König beobachtet heimlich seine Frau bei der Wassergymnastik: Szene mit den Thalamus-Schauspielern (v.li.) Stefan Schwarze (Herr König), Gesa Gurski, Silke Jürgensen, Per-Ove Thießen, Dirk Wegner-Ulke und Katrin Brinkmann (Frau König).

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Von Beate Jänicke

Eine Schrecksekunde lang verliert der Mann die Gewalt über seinen Wagen, befürchtet seinen Tod und sieht sein Leben und die wichtigsten Menschen und Stationen darin buchstäblich an sich vorüber ziehen. „Königs Moment“ heißt das Stück des überaus produktiven Autors, gelernten Schauspielers und Regisseurs Jan Neumann (Jahrgang 1975), das 2009 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde. Das Kieler Thalamus-Theater zeigt nun seine Inszenierung des Stoffes in der Hansa48. Premiere ist am Freitag.

 „Auch diesmal sind wir unserem Konzept treu geblieben, zeitgenössische Dramatik auf die Bühne zu bringen“, sagt Co-Regisseur Michael Nötzel, der gemeinsam mit Karl Elbl und Dirk Wegner-Ulke das Stück inszeniert hat und zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe gehört. Die Fokussierung auf Gegenwarts-Dramatik begleitet das Thalamus Theater nun schon seit 1996 und zehn Premieren lang. Dieses Jahr feiert man sein 20-jähriges Jubiläum. Zwei neue Schauspieler konnten für das sechsköpfige Ensemble, das das aktuelle Stück trägt, gewonnen werden. Die Suche nach einem geeigneten Stoff dauere mitunter fast länger als die Probenzeit, erzählt Nötzel. Es werde sehr viel recherchiert und gelesen.

 Mit dem neuen Stück „Königs Moment“ ist man sich sicher, einen guten Griff getan zu haben: „Das Besondere daran ist, dass es ganz ohne Satzzeichen geschrieben ist. Das fanden wir spannend, weil es uns viel Freiraum gibt, je nachdem, wie man etwa die Punkte setzt, die Bedeutung des Textes zu variieren.“

 Die Arbeit am Text nahm denn auch einen großen Raum in der Vorbereitung ein, so Nötzel: „Wir machen das immer alle gemeinsam. Unsere Art zu arbeiten, ist es, zu schauen, dass jeder seine Anregungen einbringt und wir etwas zusammen entwickeln.“ Neben der offenen Form des Stücktextes überzeugte natürlich vor allem auch der Inhalt, erklärt Michael Nötzel weiter: „Das Stück ist spannend und im gewissen Sinne auch ergreifend. Es wird ein ganz normales Leben dargestellt. Wobei auch die Frage aufgeworfen wird: Was ist das eigentlich, ein ganz normales Leben?“ Für Herrn König gilt es, sich zu erinnern, an die ersten Augenblicke mit seiner Frau, aber auch an den ernüchternden Alltag, an die Freude über den Sohn, der aber viel zu früh verstarb, an Höhen und Tiefen eines Lebens.

 „Alles hat sich zu diesem einen Moment verdichtet“, so Michael Nötzel. „Man könnte das Stück auch einfach als eine Erzählung lesen, aber gerade darum war es für uns besonders interessant, Bilder für die Worte zu finden, die das Ganze transportieren.“

  Premiere: Freitag, 16. 9., 20 Uhr; weitere Vorstellungen: 17.9., 20 Uhr, und 18.9., 18 Uhr, Hansa48, Hansastraße 48; Kartentelefon: 0431 / 56 46 57

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