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Illusion einer Auferstehung

Australian Pink Floyd Show Illusion einer Auferstehung

Wie bewertet man eine Cover-Band? Wahrscheinlich fragt man schlicht, wie nah sie dem Original kommt. Spielt sie alte Hits nur möglichst ähnlich nach oder hat sie sich mit der Seele, dem künstlerischen Gehalt und den formalen Gestaltungsmitteln der Vorbilder auseinandergesetzt. „The Australian Pink Floyd Show“ jedenfalls huldigte der Band um die Herren Waters, Gilmour, Wright, Barrett und Mason in der Sparkassen-Arena mit einer nie da gewesenen Perfektion.

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The Australian Pink Floyd Show in der Kieler Sparkassenarena

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Bis heute hält das Pink-Floyd-Album The Dark Side Of The Moon einen einsamen Rekord. Es war 1973 bis 1988 ununterbrochene 740 Wochen lang in den US-Billboard-Charts. Es heißt, dass die dafür notwendigen Mehrfachkäufe auch zustande kamen, weil audiophile Zuhörer durch die einzigartigen Klangqualität dieser Scheibe schon bei kleinsten Kratzern oder akustischen Unsauberkeiten erneut ins Regal griffen. So war es immer bei Pink Floyd. Neben der kompositorischen Extraklasse der Briten stand die konzeptionelle, technisch-formale Ausgestaltung der Songs stets im Fokus und führte zu überwältigenden und bis dahin unerreichten Sound-Effekten.

 Seit 25 Jahren greift die „Australian Pink Floyd Show“ erfolgreich nach diesen Sternen und zwar mit einer Brillanz, dass es die rund 2000 Zuschauer in der Sparkassen-Arena schon zur Pause von den Stühlen riss. In einem Interview spricht Gitarrist Steve Mac von „wissenschaftlicher und unbeirrbarer Akribie“, mit der das Sound-Geflecht Pink Floyds dekodiert wurde. „Ist dann jedes musikalische Detail analysiert, wird so lange geübt, bis wir in der Lage sind, die Songs originalgetreu zu spielen.“

 Die Mühe war nicht umsonst, wie schon der Gänsehaut-Opener Shine On You Crazy Diamond unmissverständlich klarmachte. Im Mittelpunkt des Programms standen die beiden epochalen Floyd-Alben The Dark Side Of The Moon und Wish You Were Here sowie das künstlerisch nicht unumstrittene The Division Bell. Doch natürlich brauchten Fans auch auf Klassiker anderer Platten wie Another Brick In The Wall (samt riesenhaft aufgeblasener „Lehrer-Figur“ und Computer-Video) oder das noch betagtere One Of These Days (samt riesenhaft aufgeblasenem rosa Känguru) nicht zu verzichten.

 Eine Riege exquisiter Musiker umgab den Sänger und perfekten Gilmour-Soundalike Alex McNamara. Als da wären: Jason Sawford (Keyboards), Colin Wilson (Bass), Paul Bonney (ein sagenhafter Drummer!), Mike Kidson (Saxofon) und David Domninney Fowler (Gitarre). Mit weiteren Klassikern wie Wish You Were Here, Us And Them und natürlich Comfortably Numb, einer großartigen Lichtshow sowie einem durchweg satten, lauten, dennoch differenzierten Sound schufen die Musiker die vollendete Illusion einer Pink-Floyd-Wiederauferstehung. Kein Wunder, dass sich „The Australian Pink Floyd Show“ längst den inoffiziellen Titel „beste Cover-Band der Welt“ erspielte. Kein Wunder auch, das sie ihre Künste vor Jahren bereits auf einer Party zum 50. Geburtstag von David Gilmour in London darbieten durften.

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