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Einst auf Augenhöhe mit Beatles und Stones

The Rattles in der Räucherei Einst auf Augenhöhe mit Beatles und Stones

The Rattles waren Pioniere. 1960 von Achim Reichel und Herbert Hildebrandt in Hamburg gegründet, zählten sie in den 60ern, frühen 70ern zu den erfolgreichsten Rock- und Beat-Bands in Deutschland, mit Hits wie Come On And Sing und The Witch. Zur 3. Kieler Oldie Night kommt Hildebrandt (72) mit „Two of Rattles“ in die Räucherei.

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Alte Hasen: Herbert Hildebrandt (links) und Eggert Johannsen als Two of Rattles.

Quelle: FCG

Kiel. Sie gastieren mit Eggert Johannsen, seit 1994 Sänger und Gitarrist bei den Rattles, und zwei Gastmusikern als „Two of Rattles“ in Kiel. Warum nicht als The Rattles?

Wir beschränken uns als „Two of Rattles“ auf Clubs, in die 300 bis 400 Leute passen. Wir wollen das Ganze akustisch machen, das machen die Rattles generell nicht. Das hat schon seinen Reiz und die Leute sehen da ganz verstärkt, dass das handgemachte Musik ist.

Werden Sie außer Rattles-Klassikern auch Songs von den Beatles, Stones oder Kinks spielen?

Hauptsächlich Rattles-Songs. Vielleicht erzählen wir auch von der Rattles-Geschichte, mit welchen Leuten wir mal zusammengespielt haben und erinnern an Stones und Beatles, und dann hat man meistens auch ein Stück parat.

Eine Art Storyteller-Konzert?

Genau. Aber es hängt von den Gästen ab. Wenn die mehr tanzen wollen, wird es etwas rhythmischer, dann wird auch nicht so viel erzählt.

Das entscheiden Sie spontan?

Ja, wir haben keine Setlist. Das mag ich nicht. Ich weiß ja gar nicht, welche Leute kommen. Da guckt man sich auf der Bühne an und merkt nach dem zweiten, dritten Lied: Das funkt.

Es gibt ein Zitat über die Rattles aus der taz: „Sie waren deutsches Rock-Pleistozän, zu jung, zu neu, zu dumm, gebeutelt. Aber sie waren die ersten.“

(lacht) Als wir anfingen und die Haare wurden ein ganz klein wenig länger, da kamen schon so Sprüche wie „die sollte man ins Arbeitslager stecken“, da wurde man dann auch für dumm gehalten, das war schon heftig.

Vielleicht meint das Zitat das Rattles-Management durch Manfred Weißleder, damals Star-Club-Betreiber, den die Band „Schleifer“ und „Sklaventreiber“ genannt haben soll. Hat der Sie verheizt?

Nein, das war eher ein freundschaftliches Verhältnis. Es war ’ne harte Schule, davon profitieren wir immer noch. Es war gang und gäbe im Star-Club, um 16 Uhr aufzumachen und morgens um sechs zu schließen, manchmal musste man um fünf Uhr morgens spielen.

Sie waren die erste deutsche Band, die im Star-Club ein festes Engagement bekam. Fürs erste Rattles-Konzert dort habe ich zwei Daten gefunden: 13. April 1962 zur Eröffnung oder 3. Februar 1963. Was stimmt?

Zur Eröffnung haben wir nicht gespielt. Weißleder hatte gesagt: Bei mir werden keine deutschen Bands auftreten. Aber als wir eines Abends im Kaiserkeller gegenüber gespielt haben und der Star-Club leer blieb, kam er nicht mehr um uns herum. Dann musste irgendein Grund gefunden werden, damit wir doch da spielen durften und es wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen, den wir prompt gewonnen haben. Aber damals hat keiner gedacht, dass das so eine Art Kult werden würde, eher was Kurzlebiges.

Das lag also nicht in der Luft?

Nein, die Schallplattenfirmen hatten uns erst nicht ernst genommen.

Aber dann es ging es fix: Herbst 1963 erste Single und die erste England-Tour mit Little Richard, Everly Brothers, Bo Diddley und einer noch unbekannten Band: The Rolling Stones.

Ja, die Stones. Wir waren jung und überrascht voneinander, und dann war das fünf Wochen lang ein kleiner Konkurrenzkampf, aber sehr freundlich.

Apropos Konkurrenzkampf: 1966 auf der„Bravo“-Blitztour spielten Sie im Vorprogramm der Beatles. In München hat die Menge in der Pause so laut „Rattles, Rattles!“ skandiert, dass der verärgerte Beatles-Manager Brian Epstein die Rattles in Essen und Hamburg als allererste spielen ließ ...

Ja, da waren auch die Beatles ein bisschen angestoßen.

Nun sind die Beatles und Stones aber steinreich und weltberühmt geworden ...

Neulich haben Reichel und ich uns getroffen und da sagte er: Mensch, haben wir was falsch gemacht? Und ich hab’ gesagt: Ach, eigentlich haben wir doch so ein tolles Leben gehabt.

Interview: Thomas Bunjes

3. Kieler Oldie Night mit Two of Rattles, Remember, Seven T’s, Sonnabend, 21. November, 20 Uhr, Räucherei (Preetzer Str. 35)

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