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Karlsson vom Dach eröffnet Werftpark-Saison

Theater Kiel Karlsson vom Dach eröffnet Werftpark-Saison

Kunterbuntes Kindervergnügen: „Karlsson vom Dach“ eröffnet die Saison am Theater im Werftpark als erstes Stück unter neuer Leitung, mit neuem Ensemble und im teilweise renovierten Haus.

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Team mit stark anarchischen Tendenzen: Karlsson (Lasse Wagner, li.) und Lillebror (Annegret Taube).

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Er landet mit ordentlich Geschepper auf der Bühne – ganz wie es seine Art ist, große Geste und Hier-bin-ich-Attitüde. So kennt man ihn, den Strudelluftflieger, Dampfmaschinenaufpasser, Schnellaufräumer. Und dann rappt er erstmal gepflegt los, reimt „Latzhose“ auf „Quatsch mit Soße“ und stellt den „weltbesten Karlsson vom Dach der Welt“ vor. Was prächtig passt zu dem komischen Mann mit dem Propeller auf dem Rücken aus dem Reich von Astrid Lindgren, der eines Tages im Kinderzimmer von Lillebror landet.

Danach braucht es etwas Anlauf und ein bisschen Familiengeplänkel, bevor man drinsteckt in den Streichen und Geschichten, mit denen Karlsson erst Lillebror aufmischt, und dann die Erwachsenenwelt. Mit dem Klassiker eröffnet Astrid Großgasteiger ihre erste Spielzeit als neue Leiterin im Theater im Werftpark. Und das Stück beschert nicht nur dem Premierenpublikum im ausverkauften Haus ein hörbares Vergnügen; es bietet den fünf jungen Schauspielern im brandneuen Ensemble auch Gelegenheit, sich auszuprobieren und als spielfreudige Truppe vorzustellen.

Die Bühne von Karl-Heinz Steck hat dafür allen Raum: Da reihen sich Türen, Wände und Treppen, ergeben geheime Ecken, Schlupflöcher und Durchgänge – ein Reich zwischen Kinderspielplatz und Fantasien, über dem eine in allen Lichtstimmungen wechselnde Förde-Skyline glimmt. Und der kleine Gang, der vom Wohnzimmer der Eltern in das Zimmer von Lillebror führt, erscheint wie ein Transformator zwischen den Welten.

Direkt in die Kinderperspektive

Die Regisseurin taucht ohne Wenn und Aber in die Kinderperspektive, lässt ihre Helden Höhle spielen, steckt sie unter eine Decke, um die große Schwester beim Knutschen zu erschrecken oder zwei tumbe Einbrecher in die Flucht zu schlagen. Da steckt ungebrochen kindliche Spiellust drin, wenn die Jungs mit einem Furzkissen laborieren – und einiges von einer guten alten Zeit, in der es noch Lausbuben gab und die Erwachsenen wie groß gewordene Klassenstreber aussahen.

Aber es gibt auch das Heute, wenn die Eltern (Kristin Hansen, Sebastian Kreuzer) als überbeschäftigte Doppelverdiener erscheinen und die große Schwester Betty in Gestalt von Pia Leokadia mit schönstem Casting-Show-Slang als prima überspannter Teenie rüberkommt. Locker wechseln die Drei durch die Rollen, sorgen als Einbrecherpaar über den Dächern von Kiel für Slapstick zwischen Kevin allein zu Haus und Mission Impossible (Kreuzer, Leokadia), spielen kreuzbraver jugendlicher Liebhaber (Kreuzer) oder herbkomisches Kinderfräulein Bock (Hansen), das Platt schnackt wie bei Ohnsorg.

Der Star ist Karlsson

Der Star ist natürlich Karlsson, den Lasse Wagner mit der richtigen Mischung von Anarcho, Großkotz und Kinderzimmer zeigt. Immer in Bewegung und für einen guten Spruch gut. Daneben gelingt es Annegret Taube, dem unscheinbaren Lillebror, der ja nicht umsonst als „kleiner Bruder“ mit seiner Funktion im Familiengefüge markiert ist, aufmüpfige Präsenz zu verleihen. So, dass man ihn im Verlauf der gut 70 Minuten förmlich wachsen sieht.

Zwischen realer Familienbande und Karlssons ruppig-poetischer Welt balanciert die Regisseurin ihre Inszenierung aus, nutzt Budenzauber und Lichtspiel, Filmzitate und -mittel und lässt die Grenzen zwischen den Welten fließen wie zwischen den Räumen. Die modernisierte Sprache tut dem Ganzen ebenso gut wie die beiden treibenden Songs von Hip Hopper Juse Ju. Dass das Ganze noch ein bisschen rumpelt, darf am Anfang so sein und stört, wie Karlsson sagen würde, keinen großen Geist. Kein Wunder, dass am Ende alle happy sind, Lillebror, seine Familie, Karlsson. Und das Publikum mit einem „Voll lustig!“ sowieso.

Karlsson vom Dach

Theater im Werftpark. 9., 15., 16., 22., 23. Oktober. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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