18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Rückenwind nach einem schwierigen Jahr

Theater Lübeck Rückenwind nach einem schwierigen Jahr

Christian Schwandt wirkt entspannt. Gerade hat die Lübecker Bürgerschaft dem Lübecker Theater 400000 Euro zusätzlich zugebilligt. Das löst nicht alle Probleme, aber es schafft allemal Luft, den Druck der Tariferhöhungen zumindest teilweise abzufangen.

Voriger Artikel
Schleswiger St. Petri-Dom wird saniert
Nächster Artikel
Wettstreit junger Gesangstalente

Vorsichtig optimistisch: Christian Schwandt.

Quelle: pae

Lübeck. Mehr konnte man nicht erwarten, sagt der Theaterdirektor, der in unzähligen Gesprächen Überzeugungsarbeit geleistet hat. Er weiß wohl, dass die Haushaltslage der Hansestadt desaströs ist, dass die Bürgerschaft in derselben Sitzung auch den Aufschub der Sanierung der Musik- und Kongresshalle beschlossen hat, weil man letzte Klarheit über die Kosten vermisste.

Das MuK-Problem schlägt auch aufs Theater durch: Die im Schnitt zu 74 Prozent ausgelasteten Philharmonischen Konzerte müssen vom Saal in die Rotunde verlegt werden. Das bedeutet nicht nur Kompromisse etwa bei der Akustik, das hat schlicht auch Einnahmeausfälle zur Folge, denn die Rotunde fasst spürbar weniger Zuhörer.

Doch immerhin ist das Stellenabbau-Szenario vorerst vom Tisch, freut sich Schwandt. Dass es sich aktuell um eine einmalige Aufstockung auf nun 8,3 Millionen Euro städtische Zuwendungen handelt und nur die Linken das Mehr verstetigen wollten, hat er nicht anders erwartet: „In dieser schwierigen Lage bin ich der Politik dankbar für dieses Bekenntnis zum Theater“, sagt Schwandt. Er ist es gewohnt, das Beste a<us dem Kostendruck zu machen. Und freut sich über die Erfolge, die das „wohl schwierigste Jahr“ mit sich brachte: Die jährlichen Zuschauerzahlen hätten sich bei rund 180000 eingependelt – als er sein Amt 2007 antrat, waren es fast 40000 weniger.

In der vergangenen Spielzeit hatte sein Haus rund 1000 Besucher mehr als im Vorjahr – und das, obwohl er aus Kostengründen mit 602 Vorstellungen 14 weniger anbieten konnte. Auf rund 3,2 Millionen Euro beziffert Schwandt die Eigeneinnahmen der vergangenen Saison, ein Plus von rund 2,5 Prozent. Dazu kommen rund 400000 Euro Sponsorenmittel. Insgesamt betrug sein Etat rund 20 Millionen Euro. Zum dritten Mal hat das „großartige Kieler Ballett“, diesmal mit Tschaikowskys Schwanensee, zu dem Erfolg beigetragen – eine Kooperation, die der Lübecker Theaterchef angesichts einer Auslastung von 92 Prozent gern fortsetzen möchte. Nicht nur das: Es gebe konkrete Ideen, die Zusammenarbeit über das Ballett hinaus noch zu erweitern.

Als Höhepunkt der vergangenen Spielzeit sieht Schwandt die Auszeichnung mit dem renommierten Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ für Sandra Leupolds Inszenierung von Giuseppe Verdis Don Carlo. Das habe bundesweit große Beachtung gefunden. Wobei auch andere Produktionen aus Lübeck, wie Florian Lutz’ Tannhäuser, viel Resonanz fanden – aktuell ist Lutz’ Inszenierung von Hoffmanns Erzählungen in Lübeck im Gespräch. Spitzenreiter der Saison 2014/15 waren im Schauspiel unter Direktor Pit Holzwarth Leonard Cohen und Der alte König in seinem Exil mit jeweils 100-prozentiger Auslastung, in der Oper unter Katharina Kost-Tolmein auch Purcells Fairy Queen mit 86 Prozent. Und aktuell erweist sich Bernsteins West Side Story als Magnet: Bis Mitte März 2016 ist das Musical praktisch ausverkauft. Anlass zu weiterer Entspannung in Lübeck.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3