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Theater um ein Zelt

Schleswigs Rat behandelt am Dienstag Interimslösung Theater um ein Zelt

Wenn die Schleswiger Ratsversammlung Kulturpolitik macht, ist Peter Grisebach, Generalintendant und Geschäftsführer des Landestheaters, Kummer gewohnt. Das Theaterdilemma an der Schlei hat ihn schon viele Nerven gekostet. Daran dürfte sich vorerst nichts ändern, auch wenn es mit dem Kulturhaus „Heimat“ Auf der Freiheit bereits eine einvernehmliche Perspektive für den Spielort gibt.

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Perspektive Auf der Freiheit auch für das Landestheater: Varietétheater „Heimat“ in Schleswig

Quelle: bkm

Schleswig. Denn bevor das ehemalige Mannschaftsheim am Stadtrand mit Millionenaufwand theater-, womöglich gar operngerecht umgerüstet ist, stehen weitere Provisorien an. Am Dienstag will die Ratsversammlung deshalb in einer Sondersitzung über eine Interimslösung mit einem Theaterzelt entscheiden, bis der Umbau des künftigen Kulturhauses wohl Ende 2018 abgeschlossen ist. „Ein obskurer Vorgang“, gibt sich Grisebach dazu einigermaßen entsetzt: „Ich halte überhaupt nichts davon, von einer Ersatzspielstätte (seit 2011 im Slesvighus) in einer andere zu wechseln“. Die Stadt Schleswig, bis 2019 in der Pflicht, eine Spielstätte zu stellen, habe dem Landestheater schon genug wirtschaftlichen Schaden zugefügt, seit das mittlerweile abgerissene Theater am Lollfuß nicht mehr bespielt werden kann. Eine mögliche Vertragsverlängerung im Slesvighus mit dem dänischen Kulturverein SSF sei nicht ausverhandelt. Während Grisebach eine reibungslose Fortsetzung im bisherigen Kostenrahmen für realistisch hält, nennt die Ratsvorlage eine um 100000 Euro erhöhte Mietforderung von jährlich 300000 Euro.

 Das ist nach Auffassung wohl aller Fraktionen zu viel. Also schaute man sich nach Alternativen um, um zugleich auch den Betrieb des Varietétheaters Heimat zu sichern. Mittlerweile wird das Theaterzelt einer Firma aus Pirmasens favorisiert, die in Schleswig bereits zur Landesgartenschau 2008 zum Zuge kam. So ein Zelt für 800 Personen (gegenüber 300 im Slesvighus) käme deutlich günstiger: rund 200000 Euro plus Steuer werden in der Vorlage als Hausnummer genannt. So votierte der Lenkungskreis Kulturhaus für die Theaterzeltlösung, ob Auf der Freiheit oder auch auf den Königswiesen – während Geschäftsführer Grisebach sie ablehnt, weil das Zelt klassisch kaum bespielbar wäre. Die Landestheater-Produktionen werden für mehrere Bühnen angelegt. Ein (übergroßes) Eventzelt wäre da eine völlig neue, für sein Flächentheater unerfüllbare Herausforderung. Heimat-Betreiber Mario Hoff hingegen steht dem Zelt offen gegenüber: „Interimslösungen sind immer eine Chance“.

 Sein im dritten Jahr erfolgreich praktiziertes Varietétheaterkonzept „Heimat – Raum für Unterhaltung“ findet in Schleswig, gerade auch bei der regionalen Wirtschaft, viel Unterstützung und großen Zuspruch. Mario Hoff spricht von „Kultur fürs Volk“ und beziffert die Platzauslastung auf 86 Prozent. In einer zweiten Beschlussvorlage soll deshalb Schleswig „seine einzigartige Stellung als Kulturstadt an der Schlei stärken“, indem man das Erfolgs-Konzept für 150000 Euro plus Steuer von Hoff käuflich erwirbt. Auf diese für Grisebach „fragwürdige“ Weise sollen die Kommunalbetriebe, die bereits die Heimat-Immobilie erworben haben, Hoff in der Stadt halten: Man hat offenbar Sorge, dass der private Veranstalter andernfalls mit seinem kommerziellen Produkt abwandert.

 Die Sorgen um das Landestheater scheinen dagegen geringer auszufallen. Grisebach, der bereits auf den Umzugskartons in Richtung Rendsburg sitzt, hofft noch auf Einsicht. Doch seine Appelle wurden in Schleswig schon mehrfach überhört.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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