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Reisen durch die Erkenntnis und Südafrika

Thespis-Festival Reisen durch die Erkenntnis und Südafrika

Schwarz verknäult liegt es da, nicht mehr als ein Bündel Körper. Dann beginnt es, sich zu entfalten, kriecht, krabbelt auf dem Boden wie ein betäubtes Insekt: Yaser Khaseb bei Thespis.

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Thespis - Kurt Egelhof

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Bald fällt vom Bühnenhimmel ein Paket, wird zur Puppe, die sich an den Körper des Schauspielers heftet. Fortan klebt sie am rechten Arm von Yaser Khaseb wie ein Parasit und entwickelt dort ein unheimliches Eigenleben. Sie streichelt und hätschelt, aber sie schlägt, ringt und zerrt auch an dem Körper, der sie hält.

 Mysterious Gift heißt das wortlose Stück, und mit seiner extrem physischen Performance setzt der Schauspieler aus Teheran, der mit seiner Crazy Body Group international tourt, in der Pumpe einen zusätzlichen Glanzpunkt aufs Thespis Festival. Knapp und konzentriert ist dieses halbstündige Spiel zwischen Kampfkunst, Tanz und Performance – und auf jeden Fall preisverdächtig.

 Körpereinsatz zeigt danach auch Stephen Ochsner im Schauspiel-Studio. Der am Meyerhold Institut in Moskau ausgebildete und in Armenien lebende Amerikaner hat einen frühen Text des russischen Gegenwartsdramatikers Ivan Wyrypajew (Jahrgang 1974) adaptiert und in Szene gesetzt. Und der atemlose Strom der Worte, der dazu von einer ausgeklügelten Choreografie bewegte Körper, wirken wie ein Rennen gegen die Zeit. Schließlich hat der Protagonist Peter Pocket im Traum seinen Tod gesehen. In elf Jahren, dann wäre er 31. Im Schnelldurchlauf kommen nun Welt, Liebe und Literatur auf den Punkt. Eine Reise der Erkenntnis, begleitet von einem Soundtrack, den Ochsner rappend, an der Gitarre oder die Wand zum Percussion-Instrument umwidmend, selbst beisteuert.

 Wie Kurt Egelhof dann in der Pumpe leichtfüßig durch die eigene vielfarbige Familiengeschichte tänzelt, hat seinen eigenen Charme. For Generations, das verknüpft vier Egelhof-Generationen mit der Apartheidsgeschichte Südafrikas. Da ist der deutsche Großvater, der als Jazzer nach Johannesburg kommt, für die Engländer in den Weltkrieg zieht und sich danach mit seiner farbigen Familie diskriminieren lassen muss; kaum anders als sein Sohn Basil, der später in Durban im Hafen Wale zerlegt. Auch Kurt, der Schauspieler, Regisseur und Produzent hängt zwischen den Stühlen: zu schwarz für Macbeth und zu weiß für die Zulu-Version des Shakespeare-Dramas. Und Urenkel Aston laviert als Sportler zwischen Anpassung und Auflehnung. Vier Monologe verfließen hier zur Geschichte einer fortgesetzten Zurückweisung, setzen Spuren, die sich durch die Generationen erhalten.

 Egelhof, der als Thespis-Juror außer Konkurrenz antrat, erzählt das lakonisch mit leichter Bitternote, einfach als bewegend menschliche Geschichte vom Suchen nach Heimat und dem Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft.

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