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Krachblütentherapie der wirksamsten Sorte

Therapy? in der Pumpe Krachblütentherapie der wirksamsten Sorte

Wer hätte das gedacht? Gut 400 Therapiebedürftige fanden den Weg in die Pumpe, um die nordirische Band Therapy? abzufeiern, obwohl deren Meilenstein Troublegum schon vor 20 Jahren in die Rockgeschichte gerammt wurde.

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Nicht nur er stellte in der Pumpe seinen spröden Charme unter Beweis: Sänger und Gitarrist Andy Cairns von Therapy?

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel. Vielleicht hat es sich ja rumgesprochen, dass das um einen Livegitarristen erweiterte Trio mit Disquiet endlich wieder ein konkurrenzfähiges Album mit alten Qualitäten im Rennen hat.

Nachdem die Münsteraner Eat The Gun mit einem musikalisch bunten Rock’n-Roll-Zirkus um ihr neues Album Howlinwood für die nötige Einstimmung gesorgt haben, drehen Therapy? die Schwarzlichtbirnen in die Manegenbeleuchtung. Still Hurts, der Opener des neuen Albums, wartet gleichwohl mit rockigem Tempo auf, aber ein bisschen Schmerz muss sein, wenn Sänger und Gitarrist Andy Cairns Einblicke in sein Innerstes gewährt. Isolation, ein Cover von Joy Division, ist ähnlich semi-fröhlich wie Die Laughing, das Andy dem kürzlich verstorbenen Motörhead-Gitarristen Michael „Würzel“ Burston widmet.

 Aber das macht auch den Charme von Therapy? aus, denn sie sind im ewigen Reifeprozess aus Fragen und Suchen, Fallen und Aufstehen. Das geht mal richtig doomig wie in Deathstimate oder (fast) geradeaus beschleunigt in Words Fail Me. Aber so ist es halt, „happy people have no stories“.

 Ein knackiger Mix aus Alternative und Punk weht dem begeisterten Publikum um die Ohren, blendend aufgelegt nicht nur Andy und seine Gibson SG, sondern auch die Rhythmusfraktion aus Bassist Michael McKeegan sowie Drummer und Geburtstagskind Neil Cooper (Ständchen: „Neil, Neil, drum like a motherfucker“) wird geradezu ehrerbietig bei ihrem ersten Kiel-Besuch seit 14 Jahren gefeiert.

 20 Jahre sind gar seit ihrem letzten Headliner-Gig vergangen. Troublegum hieß die Scheibe, die damals für viele zum unentbehrlichen Soundtrack für Partys und Sich-zum-Musikhören-treffen wurde. Screamager oder die für die Zugabe aufgesparten Knives und Nowhere sind Krachblütentherapie der wirksamsten Sorte, Erinnerungsglücksperlen im Vier-Vierteltakt.

 Therapy? entlassen das Publikum für den Abend als geheilt und versprechen, die Fans nicht wieder so lange warten zu lassen.

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