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Vom Funken zur Flamme

Tina Dico im Kieler Schloss Vom Funken zur Flamme

Mit 38 Lebens- und fast 20 Karrierejahren kann Tina Dico auf eine treue Fanbase zählen. Dass die dänische Sängerin dieser am Freitag vor allem vertrautes Material präsentierte, steigerte die Stimmung ihres Konzerts im Kieler Schloss eher noch.

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 Tina Dico kam erneut ins Kieler Schloss.

Quelle: Manuel Weber

Kiel.  2014 erschien Tina Dicos letztes Album Whispers, 2015 veröffentlichte sie eine um zwei Songs erweiterte Special Edition der CD und auch 2016 steht ihr Kieler Auftritt unter dem Geflüster-Motto. Im Kieler Schloss sind die Stuhlreihen am Freitagabend  bis dicht vor die Mikrofone gestellt. Die Stammhörer der dänischen Sängerin brauchen keine neue Pointe, um sich ins Konzert locken zu lassen. Und als sie und ihre beiden Mitmusiker Marianne Lewandowski und Helgi Jónsson auf der Bühne zur Eröffnung Long Way Home im A-Cappella-Format anstimmen, ist man davor schon lange angekommen.

Mit 38 Lebens- und fast 20 Karrierejahren kann Tina Dico auf eine treue Fanbase zählen. Und es kommt im Geschäft ja selten vor, dass jemand genug Klasse verkörpert, um zuweilen an Joni Mitchell zu erinnern, und zugleich genug musikalische Massenkompatibilität hat, um die Lieblingssängerin von Ina Müller zu sein. Wenn Dico sich zu The Woman Downstairs auf der Akustischen begleitet, kann man den Song genauso gut konzentriert als Songwriter-Grübelei wahrnehmen, wie man ihn im Coffeeshop als Background-Ballade hören könnte. Dass beides funktioniert hängt auch mit der Authentizität der Interpretin zusammen, die live eine enorme Präsenz ausstrahlt. Eine eigene Aura umgibt die großgewachsene Frau mit dem Flachshaar und dem ebenmäßigen Antlitz, die beinahe als Elbenkönigin von nebenan durchgehen könnte.

Doch für diese Rolle ist Tina Dico wiederum zu nahbar und versprüht den Charme dänischer Direktheit, wenn sie in ihren Ansagen offen aus dem Nähkästchen plaudert. Als sie Ask Again anmoderiert und berichtet, wie sie auf den Heiratsantrag ihres Freundes einst zu zögerlich reagierte, schaltet sich spontan Helgi Jónsson ein und ergänzt seine Sicht der Dinge. Denn er war damals Dicos „Boyfriend“, ist mittlerweile ihren Ehemann und an diesem Abend am Flügel, Banjo und der Posaune zu erleben. Und mitunter darf der Isländer auch einen eigenen Song vorstellen, singt sie mit fragiler Falsett-Stimme und wird von Dico diskret auf dem E-Bass begleitet.

Überhaupt entwickelt das Konzert seinen besonderen Reiz aus den vielen kleinen Wechseln, die das Trio vornimmt. Immer wieder tauscht die Sängerin ihre Gitarren aus, immer wieder sorgt Marianne Lewandowski am Percussion-Set für überraschende Rhythmen. Dass hier ursprünglich ein Quartett auf der Bühne stehen sollte, ist der Musik nicht einen Moment lang anzumerken. Stattdessen wirken die vielen altbekannten Songs von Whispers so vielleicht sogar noch eine spur neuer: der bluesig erdige Titeltrack oder das heimelig geklampfte Old Friends beispielsweise.

Aber auch Hits aus ferneren Zeiten sind im Laufe des sehr rund wirkenden Abends zu hören. Head Shop und Count To Ten verkörpern zwar durchaus noch viel von der Energie der Originalversionen, wirken hier aber abgeklärter. Hier spürt man noch deutlicher als bei den aktuelleren Nummern, dass Tina Dico mit ihrer Musik gereift ist, die heute nicht nur von der Jugend, sondern auch von ihrem Alter erzählt. Das Publikum geht diesen Weg selbstverständlich mit, zeigt sich kontinuierlich begeistert und dreht im Zugabenblock zusammen mit Sängerin und Band noch einmal richtig auf. Der Höhepunkt im fulminanten Finale: die Up-Number Spark von 2015 – ein Funke, der hier zur großen Flamme angefacht wird.

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