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Starke Dröhnung

Tini Thomsen im Kultur-Forum Starke Dröhnung

Wer Baritonsaxofon spielt, muss nicht nur gut bei Puste sein. Bereits um es zu halten, braucht man Power. Tini Thomsen trägt ihr Instrument im Overall auf die Bühne des Kultur-Forums in Kiel. Die Jazz-Baltica-Förderpreisträgerin kann für ihr Konzert im Rahmen der Reihe „Fantastische Musik“ auf ein volles Haus zählen.

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Weiß, wie sie das "Monster" Baritonsaxofon zu behandeln hat: Tini Thomsen.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Keine Frage also, wer hier die Herrin und wer die Dienerin ist. Das mag auch damit zusammenhängen, dass man sie auf dem Niendorfer Jazzfestival als eine Musikerin erleben konnte, die ihren durchaus fordernden Zugang zum Genre mit einer derartigen Portion Wumms begleitet, dass der Funke trotzdem leicht überspringt.

Die gebürtige Hamburgerin beginnt den Abend mit dem Titelstück ihres letzten Albums Max Sax, eine zugkräftige Up-Number, bei der ihr Quintett von einem einprägsamen Motiv aus straight noch vorne drängt, bis die Saxofonistin beim Solo dann nur noch von ihrem Drummer Satindra Kalpoe begleitet wird. Wunderbar unverstellt dröhnt das Bariton durch den Saal, wobei trotz aller Robustheit in Thomsens Spiel doch auch immer ein Fünkchen Poesie spürbar bleibt.

Thomsen hat das "Monster" gezähmt

Die Mittdreißigerin hat sich sehr genau überlegt, auf was für ein „Monster“ sie sich da eingelassen hat, wie sie es spaßhaft nennt. Und genau diese Reflektiertheit im Zugang macht sie zu einer Ausnahmemusikerin. Das gilt für sie als Solistin ebenso wie für ihre Band. Bewusst zeigt Gitarrist Tom Trapp, dass man auch auf der Halbakustischen wunderbaren Schweinerock spielen kann. Bewusst knüppeln Bassist Mark Haanstra und Drummer Kalpoe oft schön stumpf geradeaus. Aber dann folgen immer wieder diese leeren Momente, in denen der Dampf abgelassen ist und ein, zwei, drei Musiker des Quintetts überraschend schwerelos miteinander kommunizieren.

In Sachen Balance nimmt dabei Saxofonist Nigel Hitchcock eine Schlüsselrolle ein, der mit seinem rasant und flüssig gespielten Alt klangfarbliche Kontraste zu Thomsens Tieftönereien setzt, wobei das eine Blasinstrument die Aussagen des anderen nicht selten zu vervollkommnen scheint. Mit kleinen Pedaltricks verdoppelt Thomsen zudem den Sound ihres Baritons oder transformiert sich per Loop-Pedal auch mal in ein Kammerorchester. So kommt man im Laufe des zweistündigen Auftritts immer wieder ins Staunen über die Vielseitigkeit einer Band, die im europäischen Jazz Bundesligaformat hat. Beifall ohne Ende für einen Abend voller zukunftsweisender Musik.

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