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Reizvoll gebündelter Irrsinn

Titanic-Boy-Group im Kieler Metro Reizvoll gebündelter Irrsinn

So hässlich wie Schleswig, so gemein wie Holstein – kündigte sich die Titanic-Boy-Group, bestehend aus Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella, am Montagabend im ausverkauften Kieler Metro-Kino an.

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Provokante Texte: die Ex-Titanic-Chefredakteure (v.l.) Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Thomas Gsella

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Und wie es sich für eine echte BoyGroup gehört, gab es schon beim Einmarsch frenetischen Jubel und stehende Ovationen aus dem Fanblock, Mitgliedern von Sonneborns Partei „Die Partei“.

 Die drei ehemaligen Titanic-Chefredakteure präsentierten dem Publikum die „Greatest Hits“ der vergangenen 20 Jahre: Die provokantesten Titelblätter, altbewährte Texte und die besten TV-Ausschnitte von Martin Sonneborn, der es wie kein zweiter versteht, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien vorzuführen, sie zu demaskieren und ihnen den Spiegel, oder im Falle des NPD-Politikers Hans Püschel ein Mikrofon mit Hitlerbärtchen, vorzuhalten.

 Aufmerksame Titanic-Leser, Partei-Fans oder Fernsehzuschauer dürften einen Großteil der Spitzen wiedererkannt haben. Doch die Bündelung des Irrsinns der vergangenen 20 Jahre machte den Reiz der Lesung aus. Was könnte denn schon irrsinniger sein, als die Privatnummer von Marcel Reich-Ranicki im Magazin als Nummer von Rolf, dem blinden und rollstuhlfahrenden Stripper zu verwenden? Vielleicht, die Heimatstadt des Publikums als „Schweinekaff“ oder „Dings“ zu bezeichnen. Wo andere Künstler mit Sicherheit von der Bühne gebuht worden wären, kassierten die Herren Lacher und Applaus für ihre gekonnten Seitenhiebe.

 Das wahre Highlight war jedoch das Zusammenspiel der Satiriker. Der Running Gag um eine Fehldiagnose, die Gsella von seinem Arzt erhielt, zog sich durch den gesamten Abend. „Thomas Gsella ist zum Sterben nach Kiel gekommen“, titulierte Schmitt, noch bevor sich der „tote Mann“ auf der Bühne befand. Das Publikum grölte. Man hätte nun fragen können, ob es sich um ein ernsthaft traumatisches Erlebnis handelt oder um ausgemachtes Seemannsgarn. Doch eine Antwort würde entzaubern, die Unberechenbarkeit auflösen. Und wo bliebe da der Spaß? kti

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