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Wertkonservativ gegroovt

Tommy Schneller in Kiel Wertkonservativ gegroovt

Ein mäßiger Besuch kann bei bei einem Konzert auf die Stimmung drücken. Was nicht passiert, wenn Künstler und Publikum wild entschlossen sind, zusammen eine Party zu feiern. So geschehen beim Konzert der Tommy Schneller Band in der nicht mal halb gefüllten Kieler Räucherei.

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In der Räucherei präsentierte die Tommy Schneller Band ihr aktuelles Album „Backbeat“

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Gut anderthalb Stunden lang bringt das Septett mit seinem zumeist treibenden Mix aus Funk, Soul, Blues und Jazz die lockeren Reihen vom Start weg in Bewegung. Mit dem temperamentvollen Trust In Yourself nimmt das Septett Fahrt auf und die starke Horn-Section sich danach den toten Fleck vor der Bühne vor. Bandleader Tommy Schneller (Saxofon), Gary Winters (Trompete) und Dieter Kuhlmann (Posaune) verlassen zu Cream Of The Crop musizierend im Gänsemarsch die Bühne und füllen unter dem Jubel der Zuhörer für ein paar Takte den Leerraum. Ein paar Songs später wandert Schneller dann noch einmal zur souligen Blues-Ballade Blues For The Ladies solo mit seinem Saxofon an den Lippen durch die Reihen. Gut möglich, dass diese Kontaktaufnahmen den Partyfaktor noch einmal intensivierten.

 Wertkonservativ könnte passen auf die gut abgehangenen Songs – auch auf jene, die Schneller und der technisch beschlagene Gitarrist Jens Filser für das neue, sechste Album Backbeat geschrieben haben. Negativer betrachtet klingen auch die Uptempo-Stücke auf Strecke gehört nicht sonderlich einfallsreich, wirken in ähnlichem Stil durchaus bekannt. Ein Retro-Ansatz ist natürlich nicht per se problematisch, aber hier und da mal gewagtere Akzente, die aufhorchen lassen, schaden nicht. Einer der wenigen ist Winters strahlend blaues Trompeten-Solo, das mit Filsers nachfolgendem feinfühligem Gitarren-Solo den angefunkten Blues I’m Too Trough With You zu einem Konzerthöhepunkt wachsen lässt.

 Ein Novum bei Schneller sind Songs auf Deutsch, auf CD 2 des neuen Doppelalbums vertreten und wie alle anderen von ihm mit voller, warmer, raspelnder Baritonstimme gesungen. Arschkalte Art ist ein klares Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und zweistelligen AfD-Zulauf, Lass die Seele fliegen und Laut hör ich dich denken sind textlich etwas platt geraten, grooven aber wie die englischen Songs verlässlich und vertraut. Band glücklich, Publikum glücklich.

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