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Mahlers Lieder, Bruckners Siebte

Kieler Philharmoniker Mahlers Lieder, Bruckners Siebte

Die Kieler Philharmoniker beenden mit Konzerten am 19. und 20. Juni ihre Saison im Kieler Schloss. GMD Georg Fritzsch dirigiert Anton Bruckners prachtvolle Siebte Symphonie und hat für die zeitgleich entstandenen "Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler den japanischen Bariton Tomohiro Takada als Solisten eingeladen.

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Bei kundigen Opernfreunden an der Kieler Förde besonders beliebt: Bariton Tomohiro Takada.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Der Bariton Tomohiro Takada ist in Sachen Lieder eines fahrenden Gesellen selber schon mehrfach auf die Probe gestellt worden: „Wie eine Kuh“, erzählt der Japaner schmunzelnd, habe er in Mannheim, seiner ersten Station in Deutschland, von seinem damaligen Gesangsprofessor die Aufgabe bekommen, Mahlers Miniaturen zu singen – ausschließlich ohne Text und nur auf Vokalen, „um meine Technik zu polieren und möglichst viele Vokalfarben zu entdecken“. Als er dann im Herbst 2007 ans Kieler Opernhaus kam, sei die Übernahme des Gesellen-Zyklus in der Ballettproduktion Schließe deine Li(e)der gleich „eine sehr große Herausforderung“ gewesen.

 Damals galt es, Probleme zu überwinden, „heute sind es andere“, so Takada, der sich in seinen norddeutschen Opernjahren über Partien wie den Grafen Luna in Verdis Trovatore, den Meistersinger-Beckmesser („... er ist mein Schatz geworden!“), den Posa in Don Carlos oder Germont in der Traviata vom lyrischen Bariton immer mehr ins Kavalierfach entwickelt hat. „Ich bin aber kein Fischer-Dieskau oder Thomas Hampson.“ Da würden ihm gerade die kundigeren Stimmenfans vielleicht schon widersprechen wollen. Gerade an Hampson erinnert bei Takada vieles und er gibt zu, dass schon sein Lehrer diese Ähnlichkeit festgestellt hat und er sich in der Repertoirewahl an dem Amerikaner orientiert. Für beide bleibt das Kunstlied, ob von Mahler, Brahms (Vier ernste Gesänge) oder Schubert, eine sanftselige Insel, wo sich die Stimme vom Opernstress erholen kann: „Das ist wie frische Luft. Sie kann da neue Energie tanken. Die Kontrolle kehrt zurück. Die Farben kommen wieder.“

 Gerade hat Takada mit großem Vergnügen in der Volksbühnen-Gala die liedhafte Arie aus Korngolds Tote Stadt gesungen, die er bei Hampson für sich entdeckt hat. Jetzt stehen der Tannhäuser-Wolfram, der Enrico aus Donizettis Lucia di Lammermoor, der frühe Verdi (Ernani) und Bellini-Partien auf der Wunschliste. Doch erstmal Mahler – mit einem anderen Dirigenten: „Das wird spannend!“

Gustav Mahler stand als Sinfoniker Anton Bruckner zwar nahe, hatte aber wohl entgegen der verbreiteten Behauptung im Musikschriftum nie bei ihm Unterricht. Der Präsident der Wiener Hans-Rott-Gesellschaft und Bruckner-Forscher Dr. Uwe Harten wies dankenswerterweise noch einmal darauf hin, dass Mahler offenbar weder am Konservatorium noch an der Universität eine Vorlesung Bruckners besucht hat: Auf Mahlers Inskriptionszettel in der Wiener Nationalbibliothek sei die Vorlesung mit Bleistift durchgestrichen.

Kiels Generalmusikdirektor Georg Fritzsch pflegt die aufwändigen Werke der beiden Großsinfoniker eigentlich in jeder Saison abwechselnd. Zum Saisonabschluss führt er sie nun einmal stimmig zusammen, denn genau wie Mahlers früher Liedzyklus entstand Bruckners Siebte Symphonie in den frühen 80er Jahren des romantischen 19. Jahrhunderts. Nicht wenige halten das E-Dur-Werk mit seinem grandiosen Trauermusik-Adagio in cis-Moll und den Wagner-Tuben à la Ring des Nibelungen als klingenden Nachruf auf den verehrten Bayreuther Meister für die prachtvollste Partitur des Linzers.

www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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