12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Toller Ton, Torge!

Tonmann im Kulturforum Toller Ton, Torge!

Wer häufiger im Kieler Kulturforum Konzerte besucht, dem ist bestimmt schon der meist sehr gute Sound aufgefallen, den in der Regel Mischer Torge Gebhardt zu verantworten hat.

Voriger Artikel
Herz der Finsternis
Nächster Artikel
Meister der Zwischentöne

Torge Gebhardt sorgt bei Konzerten für die gute Mischung. „Wenn es gut läuft, spürt man das Ergebnis sofort“, sagt er.

Quelle: Foto: Beate Jänicke

Kiel. Der Kieler zählt bereits seit über zwei Jahrzehnten zum Team des Hauses. Dabei begann alles zunächst nur mit einem Studenten-Job, neben dem BWL-, später VWL-Studium. „Die ersten Jahre habe ich abends die Stühle aufgestellt und maximal ein Mikrofon bedient“, erinnert sich Torge Gebhardt. Das war noch zu Kulturviertel-Zeiten im Sophienhof. Auch nach dem Umzug an den heutigen Standort im Neuen Rathaus schaute der Autodidakt zunächst interessiert den Profi-Kollegen beim Sound über die Schulter. Bis 2001 bei einem Konzert des britischen Blues-Pianisten Paul Millns plötzlich Not am Mann war: „Der Veranstalter Detlef Goldbeck kam zu mir und sagte: Die haben keinen Mischer dabei, kannst Du das machen?“ Torge konnte. „Ich war tierisch nervös“, erinnert er sich lächelnd. Danach wuchsen die Aufgaben. „Das Gute war, ich konnte immer fragen, erst Günter Hoppe, meinen damaligen Chef. Aber bald hat der nicht mehr durchgeblickt und mit mir den Platz getauscht “, erzählt Gebhardt grinsend.

 Auch Hans-Jörg „Jay-Jay“ Dräger vom Musikservice Kiel sei damals immer für Fragen ansprechbar gewesen: „Das war echt super.“ Als dann 2004 das Angebot einer Festanstellung kam, zögerte Torge Gebhardt nicht: „Das hier ist mein Traumjob!“ Wenn die Musiker ihn am Ende des Konzerts lobend erwähnen, wird es ihm allerdings schnell zu viel: „Ich mag lieber im Hintergrund bleiben. Für mich besteht das Konzert aus den Künstlern und dem Publikum. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es ein schöner Abend wird.“ Seine Bestätigung zieht er genau daraus: „Es ist sehr befriedigend, zu sehen, wenn es gut läuft, da spürt man das Ergebnis seiner Arbeit sofort.“

 Dazu gehört auch der enge Kontakt mit vielen unterschiedlichen Künstlern. Eine Menge geschenkter CDs hat der Jazz- und Folk-Fan von ihnen schon zu Hause. „Eine schöne Erinnerung. Ich nehme sie aber nur unterschrieben!“, sagt er verschmitzt. Gerne denkt Torge Gebhardt beispielsweise an die ausufernden Geschichten des Schotten Jackie Leven. Auch den unlängst verstorbenen Roger Cicero lernte er noch vor dem Erscheinen seines ersten Solo-Albums kennen: „Damals habe ich gesagt, den müssen wir unbedingt wieder holen. Danach brachte er sein Album raus, war schlagartig berühmt und zu groß für unser Haus.“ Als Jazz-Freund begeistert sich Torge auch sehr für das Tingvall Trio: „Die Musiker sind einfach großartig, sehr professionell, auch gerade in den leisen Tönen.“

 Worüber sich der Tonmann dagegen immer wieder wundern kann, ist, wenn von ihm betreute Praktikanten, die in Hamburg Tontechnik studieren, als erstes mit ihren Smartphones durch den Raum laufen, um Messwerte ablesen, statt erst mal ihren eigenen Ohren zu vertrauen: „Da sage ich ihnen: Das eingebaute Mikro kann doch niemals so fein sein wie euer Gehör!“ Seinen Beruf versieht Torge Gebhardt mit Hingabe, einmal musste er allerdings seinen Platz hinterm Mischpult vorzeitig räumen. Das war am Tag der Geburt seines Sohnes: „Da kam mittendrin der Anruf, in der Veranstaltungspause hat Günter dann übernommen, ich bin nach Hause und eine Stunde später war mein Sohn da!“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3