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Trauer in Lübeck um Günter Grass

Schriftsteller und Nachbar Trauer in Lübeck um Günter Grass

Der Tod von Günter Grass berührt Lübecker und Besucher gleichermaßen. Er sei ein ganz Großer gewesen, sagen Touristen. Der Leiter des Grass-Hauses spricht von Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit mit dem Literatur-Nobelpreisträger.

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Im Günter-Grass-Haus von Lübeck herrscht Trauer.

Quelle: Tobias Schwarz/afp

Lübeck. Im Foyer des Günter-Grass-Hauses steht ein Strauß weißer Blumen. Daneben brennt eine dicke Kerze, auf dem schwarzen Tisch liegt ein Kondolenzbuch. Still, fast andächtig stehen zwei Besucher da, ehe sie sich in das Buch eintragen. Der plötzliche Tod des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass hat Literaturfreunde ebenso erschüttert, wie die Nachbarn des Günter-Grass-Hauses in der Lübecker Altstadt.

„Erst vor zwei Monaten waren wir bei ihm im Büro und haben Fotos für seinen neuen Reisepass gemacht. Jetzt ist er tot“, sagt Fotografin Margret Witzke. Ihr Fotoatelier in der Lübecker Pfaffenstraße liegt in unmittelbarer Nähe zum Günter-Grass-Haus, wo der Künstler ein Büro unterhielt. Witzke hat dieses letzte Foto vergrößert und will es in ihr Schaufenster stellen. „Als letzten Gruß der Geschäftsleute der Pfaffenstraße“, sagt die Fotografin, die den Schriftsteller seit der Eröffnung des Grass-Hauses im Jahr 2002 mehrfach porträtiert hat. „Wir alle trauern weniger um den Schriftsteller, sondern um den Nachbarn Günter Grass.“

Der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, eilt geschäftig durchs Haus, sein Mobiltelefon am Ohr, und beantwortet Journalistenanfragen. „Zum Trauern hatte ich bislang kaum Zeit, aber in meinem Herzen bin ich tief betroffen“, sagt Thomsa. Mit Grass verband den Germanisten, der das Haus seit 2009 leitet, ein fast freundschaftliches Verhältnis. „Er war immer sehr aufgeschlossen für unsere Ideen, auch wenn wir kritische Themen wie Grass.’SS-Vergangenheit angepackt haben. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“ In letzter Zeit sei Grass eigentlich bei recht guter Gesundheit gewesen, umso überraschender sei sein Tod.

Das 2002 eröffnete und 2012 neu gestaltete Grass-Haus ist eines von drei Häusern, die die Stadt Lübeck „ihren“ Nobelpreisträgern widmet. Grass wurde zwar in Danzig geboren, lebte aber seit den 1980er Jahren in Behlendorf bei Lübeck. Die anderen beiden Häuser sind dem Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955) und dem Friedens-Nobelpreisträger Willy-Brandt (1913-1992) gewidmet.

Die Nachricht von seinem Tod platzte mitten hinein in die Vorbereitungen für das Treffen der G7-Außenminister, die am Dienstag und Mittwoch in der Hansestadt tagen werden. „Ich bin erschüttert“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der Grass bei vielen Lesungen und Diskussionsveranstaltungen in Lübeck erlebt hat. „Sein Tod ist ein großer Verlust für die Hansestadt.“

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