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Liebe, die zum Wahnsinn wird

Trauminsel Schleswig Liebe, die zum Wahnsinn wird

Wer bislang noch glaubte, Puppentheater habe immer etwas mit Kindertheater zu tun, der wurde bei der Premiere des Stücks Aber die Liebe ist die Größte in der Trauminsel Schleswig auf geradezu brutale Weise eines Besseren belehrt.

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Marisa Wendt und Sonja Langmack im Kontext des Puppenspiels.

Quelle: Landestheater

Schleswig. Auch wenn der Titel sich auf den ersten Korinther-Brief, Kapitel 13, bezieht, zitiert die Geschichte, deren Autor weder im Programmheft noch in einer anderen Veröffentlichung des Landestheaters zu ermitteln ist, ein anderes Werk. Das Stück ist nämlich eine durchaus gelungene Nacherzählung von Lars von Triers vielfach ausgezeichnetem Film-Drama „Breaking The Waves“ (1996).

 Irgendeine verschlafenes Kaff an der Küste Schottlands: Die scheinbar psychisch labile Emma (im Film heißt sie Bess) liebt Lars (im Film heißt er Jan). Lars ist ein Fremder und Außenseiter, den die verbohrten und religiös verblendeten Dorfbewohner nie anerkannt haben. Doch entgegen aller Anfeindungen heiratet Emma ihren Lars. Denn sie glaubt an die Liebe. Und so ist sie glücklich, bis Lars saisonbedingt wieder zu seiner Arbeit auf die Bohrinsel zurückkehren muss.

Die Trennung ist eine große Belastung für Emma. Also betet sie zu Gott, dass Lars wieder heimkommen möge. Auf der Bohrinsel jedoch ereignet sich ein folgenschwerer Unfall. Lars kehrt heim, aber gelähmt und mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen. In ihrer Verzweiflung glaubt Emma, dass sie an dem Unglück die Schuld trifft, weil sie Gott um Lars' baldige Rückkehr gebeten hat. Fortan wird und will sie alles tun, um Lars wieder gesund werden zu lassen. Auch wenn das heißt, den Bitte des zu körperlicher Liebe unfähigen Lars nachzukommen, wahllos mit fremden Männern zu schlafen, und ihm anschließend davon zu berichten.

 Bis zum tragisch-irritierenden Ende hält sich die sinnvoll gekürzte Puppentheater-Fassung an die wesentlichen Handlungsstränge der Vorlage. Wobei es das Prinzip dieser aufwühlenden Inszenierung von Ingo Putz ist, dass Marisa Wendt (Emma) und Sonja Langmack (Emmas Schwägerin und Erzählerin) als ganz großartige Schauspieler agieren, während die anderen Figuren der Geschichte als Puppen erscheinen.

Diese nicht zuletzt aus dem Kindertheater bekannte Interaktion funktioniert gerade bei der schonungslosen Härte des Stoffes verblüffend gut und verliert durch das eindringlich beklemmende Spiel der Schauspielerinnen jede Possierlichkeit. Die Schönheit der Liebe, die zum Wahnsinn wird. Der Trost in der Religion, der in Zwang und Ausgrenzung endet. Die Hoffnung auf persönliches Glück, die zur Selbstaufopferung führt. Alles ist da, nur eben anders.

 Vorstellungen: Kleine Bühne Flensburg, 5.Juni und Kammerspiele Rendsburg 12. Juni. Jeweils 19.30 Uhr.

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