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Freilichtmuseum: Weichen gestellt

Jubiläum in Molfsee Freilichtmuseum: Weichen gestellt

Stabile Besucherzahlen in den schleswig-holsteinischen Landesmuseen – für Guido Wendt, den Geschäftsführer der Stiftung, ist das mit Blick auf den allgemeinen Trend ein „wirklich hervorragendes“ Ergebnis. In Molfsee gingen die Zahlen 2014 leicht zurück auf 100000. Aber zum 50. Geburtstag des Freilichtmuseums, seit 2013 Landesmuseum für Volkskunde, sind wichtige Weichen für eine Trendumkehr gestellt.

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Gute Perspektive: Blick aufs Gelände des Freilichtmuseums Molfsee.

Quelle: dpa

Kiel. Es gibt also, daran lässt Museumsdirektor Wolfgang Rüther keinen Zweifel, Grund zum Feiern. Am Montag gab es schon mal einen neuen, kräftigen Traktor. Am 7. Juni steht dann die Eröffnung der Sonderausstellung Ein neues Haus für die Volkskunde mit den Wettbewerbsbeiträgen für das geplante neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude im Mittelpunkt eines bunten Geburtstagsfestes. Die Tatsache, dass Ministerpräsident Torsten Albig dabei ist, mag den Optimismus der Museumsleute schüren, dass der finanziell noch nicht abgesicherte 12-Millionen-Euro-Neubau mit Hilfe des Landes bis 2020/21 stehen könnte. Er soll nach Schließung der Sammlungen auf dem Schleswiger Hesterberg vor einem Jahr nun Molfsee als neuem Zentrum der Volkskunde im Lande wichtige Impulse geben, darunter auch die Perspektive einer Ganzjahresöffnung. Das Freilichtmuseum, so Rüther, sei eben kein Architektur- oder Landschafts-, sondern ein volkskundliches Museum. Und „auch der ländliche Raum der Vergangenheit bietet immer wieder Themen, die man mit dem Heute verknüpfen kann“. So steht gleich das Geburtstagsfest am 7. Juni unter dem Motto „Das Eigene und das Fremde. Schleswig-Holstein und die Welt im Freilichtmuseum“ Es soll ein Tag der Begegnung auch unterschiedlicher Kulturen werden, sagt der Direktor mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsthematik – und ist noch offen für weitere Vereine und Verbände, die das Fest mitprägen können.

 Unter dem Thema Fremdes Zuhause wird ab 10. Mai auch die neue Dauerausstellung im bereits 2011 aufgestellten, nun endlich auch komplett ausgestatteten Haus aus Dahmsdorf stehen und aufzeigen, wie es Flüchtlingen und Vertriebenen im Schleswig-Holstein nach 1945 erging. Weitere Dauerausstellungen werden sich in der zweiten Jahreshälfte mit „Langeneß – vom Leben am Wasser“ im Hallighaus und mit früher industrieller Milchverarbeitung in der dann umfassend sanierten Historischen Meierei Voldewraa befassen.

 50 Jahre nach der Eröffnung mit damals 13 historischen Gebäuden, haben rund 8,5 Millionen Menschen die mittlerweile gut 70 Objekte auf dem 60 Hektar großen Areal besucht. Doch die Gebäude allein ziehen die Leute, in den Achtzigern bis zu 270000 im Jahr, mittlerweile nicht mehr an. Heute sind es die Veranstaltungen, sind es wechselnde Ausstellungen in diesem Umfeld, die das Publikum locken. Deshalb wird in Molfsee auch das Team Bildung/Vermittlung verstärkt, wird noch in dieser Saison ein „Medienguide“ entwickelt, der, ähnlich wie es bereits im Gottorfer Globushaus gewirkt hat, neues Interesse wecken soll. Später dann würden wechselnde Ausstellungen in dem von Petersen Pörksen Partner Architekten entworfenen Neubau etabliert. Das Lübecker Büro gewann den Realisierungswettbewerb, weil es anspruchsvolle zeitgenössische Architektur durchaus herausfordernd mit dem historischem Gebäudebestand verbindet – neben 20 weiteren Entwürfen zu sehen in der Geburtstagsausstellung im Gründungsbau des Freilichtmuseums, dem Barghaus aus Arentsee. Als zweite Jubiläumsschau steuern CAU-Studierende die Ausstellung Kiel in den 60ern zwischen Aufbruch und Gemütlichkeit bei. Macht stolze fünf neue Ausstellungsprojekte im Jubiläumsjahr.

 Dass man daneben mit den festen Größen vom Gärtnermarkt am kommenden Wochenende über das Niederdeutsche Theatertreffen inklusive eines neuen Kindertheaterfestivals im Juni, ein Lanz-Bulldog-Treffen und den Bauernmarkt bis hin zum Herbstmarkt Ende Oktober mit publikumswirksamen Traditionen nicht brechen will, versteht sich von selbst. Unter dem neuen Dach der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, das bekräftigte auch der Vorsitzende des 3500 Mitglieder starken, nunmehr Fördervereins Freilichtmuseum, Roland Reime, fühlt man sich kräftig und sicher. Weil man gemeinsam auf die volkskundliche Neuaufstellung setzt.

 Solide Zahlen unter dem Dach der Stiftung

 35,6 Prozent mehr Besucher – von den Zuwachsraten des Gottorfer Globushauses können die anderen Häuser der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen nur träumen. Aber für den kaufmännischen Vorstand geben sie auch in der Gesamtheit guten Grund zur Zufriedenheit: 393695 Besucher wurden 2014 alles in allem gezählt, dass sind zwar knapp 3700 weniger als im Vorjahr, allerdings wurden die Volkskundlichen Sammlungen auf dem Hesterberg ja vor einem Jahr geschlossen. „Bereinigt“ betrage der Zuwachs sogar gute 3,9 Prozent. Das war lange nicht mehr so, konstatierte Guido Wendt gestern und sieht sich auch im Bundesvergleich bestens angesiedelt. Allein die Gottorfer Schlossinsel zählte mit 115000 gut acht Prozent mehr Besucher als im Jahr zuvor, für das Wikingermuseum Haithabu (131000) gilt dieselbe Rate. Molfsee freilich verlor rund 4600 Besucher. Hier will man die Trendwende auch durch einen aktuell entwickelten Medienguide einleiten. Schließlich wird der neue Audioguide, wird verbesserte Vermittlungsarbeit als Hauptursache für den Boom im Globushaus angesehen.

 Gute Zahlen – und dennoch haben sich Erwartungen und Ansprüche der Besucher verändert: Der Masterplan für Gottorf, das neue Zentralarchiv und auch die Pläne für das Ausstellungshaus in Molfsee sollen dem mittelfristig gerecht werden. Das Land hat den Handlungsbedarf anerkannt und die Investitionszuschüsse um 900000 auf 2,4 Millionen Euro erhöht – 650000 Euro davon gehen 2015 nach Molfsee. Dazu zahlt das Land der Stiftung 8,3 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss. Bei einem 15,8 Millionen-Euro-Etat bedeutet das eine Eigenertragsquote von 28 Prozent: 4,4 Millionen Euro will die Gottorfer Stiftung in diesem Jahr selbst erwirtschaften. Ein ehrgeiziges Ziel und für Wendt mit Blick auf andere Häuser wiederum ein stolzer Wert.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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