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Liebesleben im Kassensturz

Niederdeutsche Bühne Kiel Liebesleben im Kassensturz

Sexappeal, Songs und Spaß vereint das Ensemble der Niederdeutschen Bühne Kiel bei Tussipark, der aktuellen Karaoke-Komödie von Christian Kühn. Am Freitag feierte die vor Vitalität sprühende Inszenierung von Regisseurin Karen Dietmair eine bejubelte Premiere.

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Ladies Night im Betongrau eines Parkdecks: Silke Broxtermann, Frederike Meier, Carina Dawert und Jana Brehmer (v.li.).

Quelle: THOMAS FAUST

Kiel. Ladies Night im Betongrau eines Parkdecks? Der wenig kommodige Ort (Bühnenbild: Rainer Kühn) passt zu den Biografien der vier Frauen, die vor dem Kassenautomat mit ihrem Liebesleben und den Männern in Kassensturz-Manier abrechnen. Jennifer (Carina Dawert) wurde gerade vom heiß geliebten Chef gekündigt, Wanda (Jana Brehmer) entlarvte ihren Bräutigam Stunden vor der Hochzeit als Betrüger, die schwangere Grit (Silke Broxtermann) wurde vom Ehemann wegen Level sieben im Internetspiel im Shoppingcenter vergessen, Pascaline (Frederike Meier), hat der besten Freundin den Ehemann ausgespannt.

 Der Start aus dem Tiefpunkt gerät dem Quartett anfangs etwas mühsam. Doch mit dem richtigen Song auf den Lippen und homöopathischen Glückspillen im Blut bringen die Frauen ihr Leben wieder auf Spur, nimmt das Stück mit bestens aufeinander eingespielten Dialogen, live gesungenen Songs und zunehmend absurden Wendungen rasant Fahrt auf.

 Geeint in der Erkenntnis „Amor is een Morsloch“, oder, übersetzt in die Lieder-Sprache: „Armor, Stein und Eisen bricht“, hottet das Quartett im Girl-Group-Stil in Sternen-Petticoat und Hochzeitskleid, Tunika und Business-Look (Kostüme Anita Gaffke-Bauduin) zu Girls just wanna have fun über die Bühne (Choreografie: Ute H. Büttner). Carina Dawert mimt dabei mal die raumgreifend tanzende Disco-Queen, dann den coolen Macho-Macker. Gegenpart zur Tussipower ist Nachtwächter Holger (Gerald J.Wick), der dem Plattdeutsch der Damen (Übersetzung: Markus Weise) in schönem Kontrast Elvis-Songs mit Pfälzer Schmalz-Dialekt entgegensetzt.

 Die Männer im Publikum müssen ein dickes Fell haben, die Zoten über Körperteilgrößen sind direkt, das Tafelbild, mit dem Pascaline eine Gebrauchsanweisung für alle Adams dieser Welt zeichnet, hat nur sechs Punkte. Frauen werden sich womöglich in Grits Schwangerschaftsdemenz und Wandas Märchenprinz-Vorstellungen von einem Lebenspartner wiederfinden, der in Personalunion Latin Lover, Handwerker, Bäcker und Masseur sein soll.

 „Das wahre Leben ist kein Helene-Fischer-Song“, sagt Jennifer. Das traumschöne Ende zeigt: Stimmt nicht. Es gibt einen Ort, in dem sich die Discokugel ewig dreht: Der Tussipark.

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