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Große und kleine Ungeheuer

Ukrainische Autoren Große und kleine Ungeheuer

Mit Andrej Kurkow und Maria Matios waren am Dienstag zwei ukrainische Autoren im Literaturhaus zu Gast, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit der Geschichte ihres Landes auseinandersetzen.

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Lesegäste aus der Ukraine: Andrej Kurkow und Maria Matios machen die Geschichte zum Thema ihrer Romane.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Von Maria Matios, Parlamentarierin für den mit der UDAR-Partei verbündeten Porotschenko-Block, sind in Deutschland bisher erst zwei Romane erschienen. Beide gehen zurück bis in die 1940er Jahre und spielen in der Bukowina. Matios wurde hier vor 56 Jahren geboren und kennt sich aus in dem von kommunistischer und deutscher Besatzung gebeutelten Grenzgebiet, in dem archaische Bräuche teilweise bis heute lebendig sind. Wie in Darina, die Süße steht auch in Mitternachtsblüte eine weibliche Protagonistin im Mittelpunkt. Ivanka leidet an Epilepsie und lebt in einer Welt von Geistern und Mythen. Schon als Kind ist sie beseelt von der Idee, im Himmel zwischen den Wolken spazieren zu gehen. Sie will wissen, wo der liebe Gott wohnt „und vielleicht Kain und Abel miteinander versöhnen.“ Die Weltgeschichte reißt sie aus ihrer Traumwelt, sie erlebt kommunistische Unterdrückung und nationalsozialistische Judenverfolgung. „Jeder sollte die Geschichte seines Geburtsortes kennen“, sagt Maria Matios, die ihre Leser vor allem nachdenklich machen will.

 Andrej Kurkow, in Deutschland seit 1996 bekannt durch Picknick auf dem Eis, begegnet den großen und kleinen Ungeheuern der Vergangenheit mit skurrilem Witz. Sein Roman Die Kugel auf dem Weg zum Helden markiert den Abschluss einer Trilogie, mit der er „der Evolution der utopischen Mentalität des Sowjetmenschen“ auf den Grund gehen will. Ausgangspunkt ist der Besuch eines Engels auf Erden, der nachschauen will, warum aus der Sowjetunion so wenig Menschen in den Himmel kommen. Leider wird der Himmelsbote prompt verhaftet und vor ein Erschießungskommando gestellt. „Geografie eines einzelnen Schusses“ nennt der gebürtige Russe die Trilogie. Im letzten Teil geht es unter anderem um einen Künstler, dessen Papagei endlos lange Gedichte aufsagen kann. Neun Jahre hat der 54-Jährige an der Trilogie gearbeitet. „Jetzt freue ich mich darauf, mich der postsowjetischen Zeit widmen zu können.“

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