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Kieler Kunstgeschichte mit kriminalistischem Spürsinn

Ulrich Schulte-Wülwer beschreibt das Kieler "Kunstleben in der Kaiserzeit“ Kieler Kunstgeschichte mit kriminalistischem Spürsinn

Nichts geringeres als ein zukünftiges Standardwerk: Mit "Kieler Künstler – Kunstleben in der Kaiserzeit 1871 - 1918" hat Prof. Ulrich Schulte-Wülwer auf Grundlage auch bislang unbekannter Briefe, Erinnerungen und Zeitungsberichte ein enzyklopädisches Handbuch geschaffen, wo zuvor eine Lücke klaffte.

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Heimatstrand, 1885, Öl auf Leinwand, von Hans Olde, aus dem Museum Kunst der Westküste, Alkersum Föhr.

Quelle: Boyens Verlag

Kiel. Nach zwei Jahren rechercheintensiver Arbeit stellte der Autor gemeinsam mit der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte als Herausgeber und dem Boyens Buchverlag (Heide) das über 440 Seiten umfassende Buch in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek vor. Es ist die eigenständige Fortsetzung des bereits 2014 erschienen Bandes Kieler Künstler – Kunstleben und Künstlerreisen 1770 - 1870. Damit erscheint ein weiteres Kapitel der Reihe, die die Kunstgeschichte Kiels, ihre Persönlichkeiten und ihren Zeitgeist gebündelt darstellt und in einen ganzheitlichen Kontext des künstlerischen Weltgeschehens setzen will.

 Wie ist diese Mammutaufgabe zu bewältigen? Mit detektivischer Neugier. „Ich musste tiefer graben als andere, da, wo noch nie jemand zuvor gesucht hat“, sagt Schulte-Wülwer. 1000 Briefe habe er gelesen, unzählige Kieler Zeitungen in der Hand gehabt. Er hat Angehörige der Künstler aufgesucht, Privatsammler gebeten, ihn zu empfangen: „Man braucht schon kriminalistischen Spürsinn.“

 Da ist es natürlich von Vorteil, einer der bekanntesten Kunsthistoriker des Landes zu sein: 25 Jahre Direktor am Museumsberg in Flensburg, Honorarprofessor am Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel und Aufsichtsratsvorsitzender des Museums Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr. Das „kolossale Vertrauen“, das ihm entgegengebracht wurde, half: Er entdeckte in Vergessenheit geratene Maler, Korrespondenzen der Künstler mit ihren Familien, die ein neues Licht auf ihre damaligen Lebenssituationen werfen. Auch Bilder, die vorher niemand kannte und deren Urheber und Epoche er bestimmte.

 Und vor allem entdeckte er die Frauen: Als Schleswig-Holstein preußische Provinz wurde, eröffneten sich auch für Künstlerinnen neue Perspektiven. So räumt der Autor der „leider in Vergessenheit geratenen, bedeutendsten Porträtmalerin der Zeit“ Sophie Sthamer-Prell reichlich Platz ein, um ihr Leben nachzuzeichnen. Schulte-Wülwer erzählt von dem Alltag, den Geldsorgen, der Partnersuche der Künstler. „Ich habe mir Mühe gegeben, so zu schreiben, dass man es auch gerne liest“, sagt er. „Das Buch soll auch für den normalen Kieler interessant, im guten Sinne populär sein“, ergänzt Initiator Jürgen Jensen, Vorsitzender der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte als Herausgeber .

 Und wie weit ist er mit seiner Arbeit an Band Drei? „Ich stecke mittendrin“, antwortet Schulte-Wülwer schmunzelnd. Er soll die Jahre 1918 bis 1945 abdecken und 2018 erscheinen – zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution in Kiel.

 Ulrich Schulte-Wülwer: Kieler Künstler. Band 2: Kunstleben in der Kaiserzeit 1871-1918, Boyens Buchverlag, Heide, 448 Seiten, 34 Euro. Ausstellung in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek ab 20. November bis April 2017.

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