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Ulrich Tukur im Interview Tournee, Tutus und TV

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys machen seit 20 Jahren Musik. Ihre neue CD "Let’s Misbehave!" ist im Gepäck, wenn der 58-Jährige und die rhythmischen Jungs am kommenden Freitag, 18. Dezember, im Kieler Schloss auftreten. Ein Interview mit Tukur und seinem Bassisten Günter Märtens.

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„Plötzlich entsteht etwas Unvorhergesehenes“

Eine demokratische Band; Ulrich Tukur (r.) und seine Rhythmus Boys (v. l.) Robby Schuster, Ulrich Mayer und Günter Märtens.

Quelle: Harald Hoffmann

Nein, das ist nicht das Nebenprojekt eines erfolgsverwöhnten Schauspielers: Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys machen seit 20 Jahren Musik. Ihre neue CD Let’s Misbehave! ist im Gepäck, wenn der 58-Jährige und die rhythmischen Jungs am kommenden Freitag, 18. Dezember, im Kieler Schloss auftreten. Ein Interview mit Tukur und seinem Bassisten Günter Märtens.

 

 Schade, dass Sie sich fürs Interview gegen Ihr Tutu entschieden haben ...

 Ulrich Tukur: Finden Sie?

 

 Sie können es tragen!

 Günter Märtens: Unbedingt!

 Ulrich Tukur: Aber ich trage es nicht einmal auf der Bühne, da trage ich nicht nur kein Tutu, sondern auch keine Hose.

 

 Vielversprechend!

 Märtens: Unbedingt!

 Tukur: Das Tutu muss auf der Bühne unser Gitarrist tragen, weil er es nicht so gut tragen kann wie ich.

 

 Und weil Sie nicht so gut Klavier spielen können, spielen Sie Klavier – und verlaufen sich auf Ihrer neuen CD am Ende von „Begin the Beguine“ in die falsche Tonart?

 Märtens: Das sind Blue Notes.

 Tukur: Lass mal! Es sind nicht blaue, es sind falsche Noten. Schön – nicht wahr?

 

 In gewisser Weise ...

 Das sind die Dinge, die sich im Studio ergeben. Ich liebe das, es hält die Musik frisch und jung.

 

 Und um gegenzusteuern, gibt’s dann die guten alten Alberti-Bässe.

 Tukur: Die hat Mozart schon benutzt, warum sollte das bei uns nicht funktionieren? Wir haben viele solcher kleiner Details. Ich liebe das!

 Märtens: Ich auch!

 

 Ist das arrangiert oder passiert? Wie entsteht ein solches Programm?

 Tukur: Wir haben uns im August für fünf Wochen in Prato nördlich von Florenz getroffen, haben uns im Studio eingeschlossen – und danach stand das Programm.

 Märtens: Das klingt jetzt so einfach: Ulrich hatte tonnenweise Noten dabei, die wir erstmal sortiert haben ...

 

 ... wonach?

 Märtens: Nach Eignung und Neigung. Denn wir sind eine demokratische Band.

 Tukur: Ja, im Ernst: Jeder bringt sich ein, jeder hat Ideen – und am Ende ist jeder überrascht, wohin es uns geführt hat. Jedes Mal wieder.

 Märtens: Und das will etwas heißen, schließlich sind wir Deutschlands dienstälteste Tanzkapelle.

 

 Auf der CD fällt auf, dass die Titel allesamt eher kurz sind – für Soli nehmen sie sich wenig Zeit.

 Tukur: Das ist auf der Tour anders. Im Konzert bewahren wir uns die Spontaneität. Im Grunde entwickelt sich da jeder Abend von Grund auf neu. Ziemlich ergebnisoffen. Wie sind ja im engen Sinne keine Profimusiker, da entwickelt sich alles peu à peu.

 

 Sie machen, ganz objektiv, keine schlechte Figur am Flügel.

 Aber ich bin doch limitiert, kann nicht alles, was ich will, auch umsetzen. So muss sich immer erst zeigen, was geht und was funktioniert. Und da gelten im Tonstudio andere Gesetze als auf der Bühne.

 

 Zurück zum Repertoire: Sie haben in den vergangenen 20 Jahren immer wieder auch Eigenkompositionen in ihre Programme gestreut. Doch auch die klingen, als seien sie gut abgehangene Vorkriegsware. Sind sie Nostalgiker?

 In gewisser Weise ja, sicher. Mich interessiert vor allem die Musik zwischen 1910 und 1945, die danach weniger. Und eigene Stücke stimmen ganz selbstverständlich auch diesen Ton an. Kein Weg zurück beispielsweise klingt so, als kennte man es seit Generationen. Es ist aber wirklich von uns. Das ist halt unser eigener Stil, ein bisschen anders, ein wenig altmodisch, ein bisschen plüschig, ein bisschen unheimlich und auch ein bisschen expressionistisch.

 

 Wo kriegen Sie Ihre Noten her?

 Das wird immer schwieriger. Im Handel kann man ja kaum noch etwas kaufen, und die Flohmärkte und Antiquariate sind auch ziemlich leer. Lohnende Trouvaillen werden immer seltener.

 

 Als was sehen Sie sich eigentlich selbst eher, als Autor, als Musiker oder als Schauspieler?

 Als was ich mich sehe, ist gar nicht so interessant. Musik jedenfalls mache ich wahnsinnig gern. Theater macht mehr Arbeit, aber auch viel Freude. Fernsehen macht sehr viel mehr Arbeit und nur bedingt Freude.

 

 Warum?

 Als Fernsehschauspieler ist man sozusagen Opfer. Man hat keinen Einfluss auf das Endprodukt. Diese Form von Reproduktion hat etwas Ärgerliches. Musik, das Improvisieren auf der Bühne, das Live-Spiel, das alles ist viel besser. Darum sind wir auch keine Studiomusiker.

 Interview: Peter Korfmacher

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