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Wenn die Träume zerbrechen

Vor der Premiere im Schauspielhaus Kiel Wenn die Träume zerbrechen

Tennessee Williams gehört zu den bekanntesten Dramatikern Amerikas, seine Stücke erzählen von Lebenslügen, Alltagsfluchten und von Träumen, die an der Realität zerschellen. Gastregisseurin Ulrike Maack inszeniert jetzt sein Drama "Die Glasmenagerie". Premiere ist am 21. Oktober.

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Regisseurin Ulrike Maack hat Respekt vor Tennessee Williams: „Er war ein grandioser Rollenschreiber, die Schauspieler werden in seinen Stücken emotional großartig geführt.“

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. 1944 wird Tennessee Williams (1914-1983) mit der Uraufführung von Die Glasmenagerie über Nacht berühmt. Das Drama um die schüchterne Laura, die sich wegen ihrer Gehbehinderung von der Außenwelt zurückzieht und beim Spielen mit ihren fragilen Glasfiguren ihren Träumen nachhängt, ist stark autobiografisch geprägt. Williams, der eine psychisch kranke Schwester hatte, projiziert die eigene Schüchternheit in die Figur der jungen Frau, deren Mutter Amanda seiner sehr ähnlich ist. Und in Lauras Bruder Tom lässt der Autor, geboren als Thomas Lanier Williams, sein Alter Ego Bühnengestalt annehmen. Ulrike Maack inszeniert das hoch emotionale Stück, das den Untertitel Ein Spiel der Erinnerung trägt, am Schauspielhaus. Zur Vorbereitung hat sich die Hamburgerin, die regelmäßig als Regisseurin in Kiel zu Gast ist, eine Glasfigur gekauft. „Ich wollte sehen, welche Farbspiele und Effekte das geschliffene Material hervorbringt. Das Licht wird in diesen Figuren auf andere Weise gebrochen.“ Die kleinteiligen Brechungen stehen in ihren Augen „für die Defragmentierung von Erinnerung“, aus der heraus die Geschichte geschildert wird.

 Der Erzähler Tom, nach dem Weggang seines Vaters Ernährer der Familie, hat Laura und seine Mutter verlassen, weil er es in ihrer engen Welt nicht länger aushielt. Rückblickend berichtet er von einem zermürbenden Alltag, geprägt von Geldknappheit und den ständigen Bemühungen der Mutter, Laura fit für das Leben zu machen. Als er irgendwann seinen Arbeitskollegen Jim einlädt, glaubt Amanda, einen potenziellen Ehemann für ihre Tochter vor sich zu haben. Doch der Traum zerbricht wie eine der Glasfiguren, die Jim beim Tanzen mit Laura versehentlich auf den Boden wirft.

 „Williams war ein grandioser Rollenschreiber. Die Schauspieler werden in seinen Stücken emotional großartig geführt und können ihre Virtuosität zeigen“, sagt Ulrike Maack, die „den Autor sehr ernst genommen“ und an der Vorlage nur wenig geändert hat. Für sie ist die Familie der Protagonist des Stückes. „Es geht um Fluchtbewegungen, auch um den Existenzkampf einer alleinerziehenden Mutter, der zeitlos ist. Vor allem aber geht es um die Familie als Ganzes, die nicht funktioniert.“

 In ihrer Bearbeitung versucht die Regisseurin keine Übersetzung in die Gegenwart. Die Rahmenhandlung bleibt zeitlich in einem Amerika der 40er Jahre verortet, das geprägt ist von Krieg und Rezession. „Ich habe das Stück in seiner Welt gelassen, weil es so autobiografisch ist. Das kann man dem Autor doch nicht wegnehmen. Es gibt zwar Akzente, was die Ästhetik angeht. Doch wenn es zu heutig wird, dann wird es doof.“

 Die Fülle an Symbolen und verweisenden Zeichen, Markenzeichen von Tennessee Williams, hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und Bühnenbauer Wilfried Minks allerdings reduziert. „Dafür haben wir andere hineingenommen, die vielleicht niemand versteht, die aber die poetische Atmosphäre des Stückes unterstützen.“ So wird etwa am Anfang die Szenerie blau ausgeleuchtet sein. „Denn Blau ist die Farbe der Erinnerung.“

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