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Unerhörte Flüstergeräusche

Chiffren, Kieler Tage für Neue Musik, können im Mai stattfinden Unerhörte Flüstergeräusche

„Zukunft braucht Herkunft“, zitiert Chiffren-Chef Friedrich Wedell den Philosophen Odo Marquard und hat womöglich damit schon das Motto der Kieler Tage für Neue Musik gefunden.

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Keine Angst vor Neuer Musik: Dirigent Johannes Harneit und Pianistin Maria Katharina Christiansen vom Chiffren Ensemble bei der Probenarbeit im vergangenen Jahr.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Das längst national und sogar international renommierte Festival bekommt nach fataler finanzieller Durststrecke 2016 tatsächlich eine Zukunft. Vom 26. bis zum 29. Mai klopft der künstlerische Leiter in vier Halle-400-Konzerten junge Werke der Kunstmusik darauf ab, welche Herkunft in ihnen steckt – in Japan, beim barocken Couperin oder bei der Avantgarde eines Ligeti oder Kagel.

 Wedell hat es geschafft, die Ernst-von-Siemens-Stiftung mit einer Fördersumme von 30000 Euro ins Boot zu holen. Das Land Schleswig-Holstein gewährt weiterhin 40000 Euro für das Projekt, das es naturgemäß schwer im Musikmarkt hat. Und die Stadt Kiel ist mit 15000 Euro dabei. Kein Grund zum Prassen und zum Jubeln: „2017 ist noch völlig offen, wie es weitergeht“, so Wedell, der im vergangenen Jahr seine organisatorische Kraft betriebsbedingt kündigen musste, weil kein Geld mehr da war.

 Schon am 28. April holt Wedell wieder Musiklehrer in der Gelehrtenschule zur bewährten „Tuchfühlung“ vor dem Festival zusammen. Die Gesprächsreihe „Crescendo“ bereitet das Publikum am 4., 11. und 18. Mai im Kulturforum der Stadtgalerie jeweils um 20 Uhr auf die Werke vor. Neu wird am 27. Mai ein flankierender Vortrag des Musikwissenschaftlers Dr. Christian Grüny von der Universität Witten-Herdecke über „Die Antiquiertheit der Neuen Musik und ihre Zukunft“ sein. Neu ist am 28. Mai auch eine Kooperation mit dem Literaturhaus SH, wo der Autor Norbert Niemann in seinem Roman Die Einzigen „über den Kampf um das wirklich wahre Neue“ flankiert von Musikbeispielen sinniert.

 Eingeladen hat Chiffren diesmal das Ensemble Adapter, um gemeinsam mit dem Defunensemble Helsinki Neues von Jo Kondo und Kimmo Kuokkola auszutesten. Der Pianist Florian Hoelscher spüre „Intuition und Berechnung“ beispielsweise im 2014 erstmals an die Saiten klopfenden Hammer von Bernhard Lang nach. Spektakuläres erwartet sich Wedell vom Ensemble Ascolta, das am 28. Mai Simon Steen-Andersens Inszenierte Nacht von 2012/13 als große Performance zwischen Flüstergeräusch und Slapstick aufführen soll.

 Der sogar bei den Darmstädter Ferienkursen erfolgreiche Neue-Musik-Nachwuchs aus Schleswig-Holstein im Chiffren Ensemble, besonders gefördert von Feldtmann Kulturell, darf natürlich nicht fehlen. Die jungen Musiker tun sich am Abschlusssonntagmorgen mit dem Studio Musikfabrik zusammen, um Werke von Sciarrino und Matthias Ronnefeld klangräumlich aufzufächern.

www.chiffren.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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