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Theater sorgt sich um eine tragende Säule

Kultureinrichtungen und Plakatwerbung in Kiel Theater sorgt sich um eine tragende Säule

Im Sommer begleiten sie den Autofahrer von auswärts auf dem Weg in die Stadt – Plakate, die auf knallgelbem Grund den Kleinen Prinzen zeigen und für das langjährige Sommertheater der Komödianten im Rathausinnenhof werben.

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Komödianten-Chef Markus Dentler fürchtet, ohne die bisherigen Rabatte in der Außenwerbung bald nicht mehr sichtbar zu sein.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Ob sie in diesem, ausgerechnet dem 25., Jahr wieder den Schützenwall zieren werden, steht allerdings gerade in den Sternen. Über 20 Jahre konnte sich das Privattheater in der Wilhelminenstraße – wie viele andere – auf den Rabatt verlassen, den die Firma Ströer Kulturschaffenden für ihre Plakatwerbung bot. Mittlerweile ist die Vergünstigung abgeschafft. „Bisher haben 30 Säulen für zehn Tage 250 Euro gekostet, jetzt ist es dreimal so viel“, sagt Komödianten-Chef Markus Dentler. Ein Drittel des regulären Preises hatte das Theater bisher zu zahlen; das macht einiges aus. „Den vollen Preis können wir uns kaum leisten“, so Dentler, „aber keiner der Touristen erfährt vom Kleinen Prinzen, wenn nicht plakatiert ist.“

 Dass das Theater Kiel, Kulturforum und Stadtgalerie dennoch weiter in den Genuss der bezahlbaren Plakatwerbung kommen, liegt an dem Städtepartnervertrag, den das Tiefbauamt Kiel als Herr der Litfaßsäulen mit Ströer geschlossen hat. „Der Rabatt gilt für die Ämter und Einrichtungen der Stadt“, so Kulturamtsleiterin Judith Selck, „davon bekommen wir ein kleines Kontingent, mit dem wir bewerben, was bei uns stattfindet.“ Für Dentler ist das Wettbewerbsverzerrung; er sieht die städtischen Bühnen privilegiert.

 Aus Anlass der Vertragsverlängerung mit Ströer, in deren Händen „die Vermarktung der öffentlichen städtischen Flächen für Werbung ausschließlich“ liegt, hat die Stadt Einrichtungen und Veranstaltungen überprüft, die bisher die Rabatte genutzt haben. „Dabei“, so das Presseamt Kiel auf Anfrage, „stellte sich heraus, dass – abweichend von den vertraglichen Regelungen – einigen nichtstädtischen Einrichtungen Rabatte gewährt wurden“. Welche Kultureinrichtungen das betraf, dazu gab es weder von der Stadt noch von Ströer auf unsere Anfrage eine Auskunft. Im Hinblick auf einen finanziellen Ausgleich verweist die Stadt jedoch darauf, dass die institutionelle Kulturförderung 2015 flächendeckend deutlich erhöht wurde, „für die Komödianten allein um 50 Prozent“. Dentler bestätigt das, sieht das jahrzehntelange Engagement seines Theaters in der Stadt damit aber insgesamt als unzureichend gewürdigt.

 In der Tat ist die Lage unübersichtlich. Auch als gemeinnützig anerkannte Vereine wie die Musikfreunde Kiel, die sogar mit der Abonnementverwaltung der Kieler Philharmoniker eine unmittelbare Anbindung an eine städtische Institution haben, müssen neuerdings auf den Rabatt verzichten. „Die Kosten sind nun so hoch, dass eine Plakatierung nicht mehr lohnt. Es kommen nicht genügend Besucher durch den Plakathinweis, um den finanziellen Aufwand auszugleichen“, so die Vorsitzende Selke Harten-Strehk. Eine einfache Rechnung: Wer über 500 Euro aufwenden muss, um zehn Tage lang 46 Plakate im Stadtgebiet zu platzieren, muss bei im Schnitt günstigen 20-Euro-Tickets schon 25 Besucher locken, um damit allein die Werbe-Kosten wiedereinzuspielen. Auch kommerzielle und entsprechend hochpreisigere Veranstalter wie die Kieler Konzertdirektion Streiber verzichten inzwischen auf Litfaßsäulen-Werbung.

 „Das ist schon tragisch“, sagt Maren Wienigk von der Kieler Kunsthalle, „denn schließlich hatten wir von Ströer einen Rabatt von 66 Prozent.“ Weil man auf die Außenwerbung aber definitiv nicht verzichten könne, hat das Haus aus der Not eine Tugend gemacht. Jetzt bucht sich die Kunsthalle nicht mehr auf den sogenannten Kultursäulen ein, sondern plakatiert komplette Litfaßsäulen im Stadtgebiet und setzt neuerdings auf Großflächen-Plakate von 3,5 mal 2,5 Metern. Auf den „Ganzsäulen“ bewirbt die Kunsthalle eine einzige Ausstellung oder ein Thema, sodass das Plakatmotiv von drei Seiten zu sehen ist. Alles in allem eine Strategie, die für die Kunsthalle teurer ist, mit der man aber eben leben müsse, sagt Wienigk. „Die Kunsthalle ist unbedingt auf Werbung angewiesen, das Haus soll ja im Stadtgebiet sichtbar sein. Wenn wir könnten, würden wir noch stärker präsent sein.“

 Ohnehin bemerkenswert, dass die Veranstalter auf die Plakatwerbung auch in Zeiten von Internet und Social Media nicht verzichten wollen. „Wir wissen natürlich nicht, wie viele Leute so ein Plakat lockt“, so Judith Selck. „Aber wir hören, wie das wahrgenommen wird. Und wenn ich ein spannendes Plakat sehe, will ich immer wissen, was dahinter steckt.“

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