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"Unheilig-Musik ist wie ’ne Döner-Pizza"

Der Graf kommt nach Flensburg "Unheilig-Musik ist wie ’ne Döner-Pizza"

Anfangs war er nur in der Gothic-Szene bekannt, inzwischen ist er ein Chart-Stürmer und sogar bei Carmen Nebel TV-Gast, nicht zuletzt mit dem neuen Album „Lichter der Stadt“. Am Sonnabend kommt der Graf nach Flensburg.

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Die Schauspielerin Sophia Thomalla und der Frontmann der Band "Unheilig", Der Graf (Bernd Graf), posieren am Donnerstag (04.03.2010) in Berlin während eines Pressetermins auf der Bühne. Im Hintergrund ist auf einer Videowand ein Bild der Sängerin Amy Macd

Quelle: dpa

Flensburg. Quo vadis, Graf, wenn du dich in die „Lichter der Stadt“ stellst?

 Der Graf: Das neue Album ist eine Art musikalisches Tagebuch, in dem ich die Erfahrungen der letzten zwei Jahre verarbeitet habe, all das, was nach dem Erfolg von „Große Freiheit“, mit dem 2010 keiner von uns in dieser Größenordnung gerechnet hatte, auf mich eingeprasselt ist. Mein Leben als Musiker hat sich seitdem total verändert, ich war nur noch unterwegs, die Konzerte wurden immer größer. Der Erfolg war mein Synonym für das Ankommen in den Großstädten. Aber dort brauchte ich ein Ventil, um das zu verarbeiten. In den Songs, die fast alle während der letzten Tour entstanden sind, backstage oder im Hotelzimmer, konnte und musste ich mir das von der Seele schreiben, meine Hoffnungen, aber auch meine Ängste. Das war eine Art musikalische Therapie, und insofern ist „Lichter der Stadt“ auch mein bisher persönlichstes Album.

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Unheilig live in der Sparkassen-Arena in Kiel.

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 Du hast dazu mit nicht weniger als vier Produzenten zusammengearbeitet. Warum eine so große „Crew“?

 Nach „Große Freiheit“, wo ich schon mit zweien gearbeitet hatte, wusste ich, dass da noch Luft nach oben ist. Also habe ich mir die Produzenten gesucht, die jeweils zu den Lied-Ideen passten. Meine Demos definieren jeweils schon ziemlich genau, was ich mir musikalisch vorstelle. Beim Titelsong dachte ich zum Beispiel an Coldplay-Gitarren oder den Style von a-ha. Dann hab’ ich mir herausgesucht, wer das damals produzierte, und den einfach angesprochen. Bei „Eisenmann“ wollte ich jemanden haben, der den Mut hat, diese brachialen Rammstein-Gitarren zu inszenieren. Ich wollte, dass jeder Produzent das macht, was er am besten kann, und meine Ideen damit auch erweitert.

 Was natürlich schwer nach Eklektizismus klingt und dir von einigen auch den Vorwurf eingetragen hat, du knüpftest gleichsam „unheilige Allianzen“ zwischen Schwarze-Szene-Rock à la Rammstein und Schlager der Söhne Mannheims.

 Meine Musik ist immer Spiegel meines eigenen Musikgeschmacks, nach dem es dann halt – so oder so – klingt. Ich hab’ mit dem „Klingt wie“ oder „Hat man schon mal gehört“ überhaupt kein Problem, denn es soll genau so klingen, nach dem, was im jeweiligen Sound heute machbar ist – und auch schon gemacht wurde. Im Vordergrund steht das Gefühl des Liedes, und dafür suche ich mir den passenden Sound. Bei Schlager muss ich natürlich ganz klar sagen: Wenn Xavier Naidoo, Grönemeyer, Silbermond oder Selig Schlager sind, dann bin ich auch Schlager – und zwar gerne, da hab’ ich keine Berührungsängste. Nicht aber, wenn man bei Schlager an Ballermann denkt, das bin ich nun wirklich nicht. Anders gesagt (lacht): Unheilig-Musik ist wie ’ne Döner-Pizza, wo du alles, was so da ist, drauf tust: Sieht vielleicht bisschen seltsam aus, aber schmeckt.

 Stichwort noch mal Gothic-Rock versus Schlager: Ist da vielleicht Romantik ein im positiven Sinne verbindender Begriff?

 Definitiv! Romantische Momente und Lieder sind mit die schönsten im Leben. Allerdings: Wenn Romantik, dann bitte volles Rohr, dann muss man auch den Mut zur Extrem-Romantik haben! Wenn du heutzutage romantische Gefühle zeigst, bietest du auch Angriffsfläche, für viele ist das eine Schwäche. Aber ich bin da ganz offen, ich stehe dazu, ich habe den Mut zur Emotion, romantisch wie hart und nach wie vor schwarz rockend.

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