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Klassiker in neuen Kleidern

„Don Quijote“ im Werftpark Klassiker in neuen Kleidern

Don Quijote – ein Mädchen? Ja, warum denn nicht? Am Theater im Werftpark kommt am Sonntag das Stück "Don Quijote" für Menschen ab drei Jahren zur Uraufführung

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„Don Quijote“ mit Zoe und Linus im Hinterhof: Probe mit Regisseurin Gunilla Hällström. Pia Leokadia und Sebastian Kreuzer.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Es setzt den berühmten Stoff und seine bekannteste Figur in Beziehung zu einem Mädchen von heute, das – ganz wie einst der stolze Spanier – fantastische Abenteuer erlebt.

 „Natürlich wollen Mädchen auch mutig sein und für Gerechtigkeit kämpfen“, sagt Regisseurin Gunilla Hällström, die in enger Kooperation mit Autor Christoph Busche die literarische Vorlage von Miguel de Cervantes aus dem 17. Jahrhundert in ein Stück Theater für Kinder verwandelt hat. Nach Homers Odyssee ist dies der zweite Klassiker, den die neue Werftparkchefin Astrid Großgasteiger in ihren Spielplan hebt. „Wir wollen die Klassiker zu den Jüngsten bringen – in neuen Kleidern“, umschreibt Hällström die Motivation dahinter. Die neuen Kleider, das sind in diesem Fall Gummistiefel, der Ort des Geschehens ein Gaardener Hinterhof (Ausstattung: Günter Hans Wolf Lemke). Hier spielen das Mädchen Zoe und der Junge Linus mit allem, was zwischen Wäschespinne und alten Farbeimern so zu finden ist. „Die beiden sind Gaardener Kinder, wir haben sie sozusagen direkt von draußen ins Theater geholt“, so die schwedische Regisseurin, die schon an der vorherigen Salzburger Spielstätte mit Theaterleiterin Großgasteiger zusammengearbeitet hat.

 Das alte Buch über den Ritter von der traurigen Gestalt mit seinen vielen verschrobenen Wörtern fasziniere die Kinder, erklärt Hällström: „Wie geht das, jemanden die Welt zu Füßen legen, wie Don Quijote es mit seiner Angebeteten Dulcinea macht? So etwas stellen sich die beiden bildlich vor.“ Zoe ist wie Don Quijote die Wagemutigere, Fantasiebegabtere. Linus interessiert sich wie der Knappe Sancho Panza mehr fürs Essen und Ausruhen. Das Schlüpfen in Rollen geschehe für Kinder ganz selbstverständlich, meint Gunilla Hällström: „Kinder sind die besten Schauspieler. Sie nutzen die Dinge, die sie vorfinden und erschaffen daraus etwas. Genauso funktioniert auch die Inszenierung.“ Da könne das Tuten der Fähre leicht zum Schrei eines Seeungeheuers werden: „Kinder besitzen diese spielerische Intelligenz. Dafür zollen wir ihnen mit unserer Inszenierung auch Tribut.“ Zugleich gebe das Gesehene für die jungen Theatergänger die Möglichkeit zur Identifikation: „Ich möchte, dass die Kinder im Publikum denken: Das könnte auch ich sein!“ Darüber hinaus findet Gunilla Hällström, dass die Geschichte Kinder ermutigen kann: „Wir nehmen Kinder oft nicht ernst. Dieses Stück sagt etwas über das Leben. Dass es schwierig sein kann, aber dass man Herausforderungen annehmen kann. Vielleicht kommt nicht das heraus, was man dachte, aber es lohnt sich trotzdem.“

 Uraufführung am Sonntag, 12 Uhr, Theater im Werftpark; www.theater-kiel.de

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