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Raumgreifende Wortkunst

Audioinstallation im Foyer der Stadtgalerie Raumgreifende Wortkunst

Texte füllen Räume aus in der eindrucksvollen Arbeit von Ute Friederike Jürß, für die Wolfgang Zeigerer „nur zu gern“ das Foyer der Stadtgalerie zur Verfügung gestellt hat.

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Ute Friederike Jürß hört in ihrem Arrangement die Texte von Feridun Zaimoglu.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Die Geschichten schwellen an und ebben ab, sind hörbar, sichtbar und sprengen schließlich akustische und architektonische Dimensionen. „Pause oder Geschichten, über die man nicht spricht“ nennt die Künstlerin aus Lübeck ihre dreiteilige Audioinstallation, die sie in Zusammenarbeit mit Feridun Zaimoglu realisiert hat.

 Ausrangiertes Theatergestühl, mit Blickrichtung auf die Andreas-Gayk-Straße mitten auf dem roten Teppich prominent platziert, lädt den Besucher zum Verweilen und Zuhören ein. Über drei Kopfhörer sind die Geschichten zu hören, verfasst und vorgelesen von Zaimoglu nach Ideen von Jürß. Der Kieler Autor, bekannt für seine poetisch schillernde Wortkunst, war ihr Wunschkandidat für das Projekt. „Zaimoglu kann genau das, was mir für diese Arbeit wichtig war: eine starke Wahrnehmung mit Fantasie verbinden und alles zusammen in Sprache verschmelzen lassen.“ Mit seiner unverwechselbaren Stimme liest er von dem Mann, der unter Kontrollzwang leidet, von der Frau, die ziellos durch die Gegend wandert, und von der Hure, die den ersten Freier des Tages erwartet.

 „Die Hauptfiguren haben miteinander gemeinsam, dass man sie sonst kaum wahrnimmt oder bewusst übersieht“, sagt Ute Friederike Jürß. Diesen „Pausen- oder Zwischenwesen“ verschafft sie durch ihre im wahrsten Sinne des Wortes raumgreifende Installation besondere Aufmerksamkeit. „Menschen wie sie könnten unter den Besuchern sein – Leute, die nie über rote Teppiche gehen. Auf diese Weise tun sie es.“ Theatergestühl hat die Künstlerin deshalb gewählt, weil es sich um fiktive Geschichten handelt, „denen wie im Theater voyeuristische Momente zugrunde liegen.“ Neben der akustischen Wahrnehmung, die durch Verschleifungen, Wiederholungen und Echo-Effekte den Eindruck von Dreidimensionalität suggeriert, erweitert sich der fiktive Raum der Geschichten durch den konkreten Raum des Foyers, dessen Wände mit 36 verschiedenen Textfragmenten behängt sind. Zusätzlich auf ausgelegte Postkarten gedruckt, könnten die Texte verschickt werden und so den Ort, die Stadt und das Land verlassen.

  Foyer der Stadtgalerie, Andreas-Gayk-Str. 31. Bis 13. November.

 

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