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„Vater Kunstpreis 2015“ für Syrer

Ausstellung im Atelierhaus Kiel „Vater Kunstpreis 2015“ für Syrer

Der mit 5000 Euro dotierte „Vater Kunstpreis“, ausgelobt für Künstler aus Norddeutschland von der in Kiel ansässigen Vater Unternehmensgruppe, geht in die dritte Runde.

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Erster Preis mit Jury (von links): Klaus-Hinrich Vater, Jörn Genoux, Arne Zerbst, Rainer W. Ernst und Franziska Stubenrauch.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. „Kunst und Wirtschaft sind enger miteinander verzahnt, als man glaubt. Kunst ist ein starker Wirtschaftsfaktor“, so der Unternehmer und Stifter Klaus-Hinrich Vater, der erneut Künstlern die Chance geben will, ihre Netzwerke auszubauen „und mit anderen Lenkern aus der Wirtschaft in Kontakt zu treten.“

 Wellen – Die Welt in Bewegung lautet in diesem Jahr das Motto der Ausstellung, die zum zweiten Mal im Kunstverein Haus 8 im Atelierhaus des Anscharparks präsentiert wird. Die fünfköpfige Jury, darunter neben Vater der ehemalige Präsident der Muthesius Kunsthochschule Rainer Ernst sowie sein amtierender Nachfolger Arne Zerbst, haben aus 115 eingereichten Arbeiten 22 Finalisten ausgewählt und drei Preisträger festgelegt. „Alle drei sind vom Ansatz her völlig unterschiedlich, dennoch haben ihre Arbeiten mit Selbstreflexion der eigenen Erfahrung zu tun,“ so Ernst. Letzteres sei besonders wichtig, „weil individuelle Erfahrung die Quelle für Ehrlichkeit ist.“

 Der 1. Preis (2500 Euro) geht an Iyad Dayoub. Die Arbeit des Syrers, der 2011 nach Deutschland kam und im Frühjahr seinen Master an der Muthesius Kunsthochschule abschloss, zeigt ein verzweifeltes Menschenbündel in einem übervollen Boot. Expressive, zum Schrei verzerrte Gesichter in schriller Farbigkeit unterstreichen den beklemmenden Eindruck des Ausgesetztseins. Das Bild, gemalt in der Tradition von James Ensor und Francis Bacon, verfüge über „eine existenzielle Wucht, mit der man weggefegt werden kann“, begründet Zerbst die Entscheidung der Jury.

 Die Wahl-Hamburgerin Chika Aruga (2. Preis) verarbeitet in ihrem Bild die Eindrücke des Tsunamis in ihrem Heimatland Japan. Um ein Stückchen Himmelsblau im Zentrum ihres in zahlreichen Schichten aufgebauten Gemäldes wirbeln Fetzen einer zerstörten Welt, „eine Restsuppe der Moderne“, so Ernst mit einem Verweis auf technische Brillanz der Arbeit. „Die Hoffnung, symbolisiert durch den Blick in den Himmel, ist nicht artikulierbar.“

 Dass der Schwerpunkt der Schau, in der auffallend wenige Fotoarbeiten und Grafiken vertreten sind, eindeutig in der Malerei liegt, sieht Jury-Mitglied Franziska Stubenrauch als positiven Trend. „Wir haben es wieder mit einer hervorragender Auswahl von Malerei zu tun, die schon so oft totgesagt wurde“, so die Kieler Künstlerin. Und so geht auch der 3. Preis an eine Malerin. Die Chinesin Suting Zhang zeigt eine surreale Szenerie mit einer jungen Frau, die, quasi im luftleeren Raum eines dekorativ jugendstilig angedeuteten Waldes sitzend, mittels eines Dosentelefons kommuniziert. „Rührende Naivität trifft existenzielle Wucht“ , fasst Arne Zerbst die Auswahl der Preisträger zusammen. „Das ist Welt.“

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