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Weltumspannende Handlung in langen Sätzen

Vea Kaiser und ihr Familienepos Weltumspannende Handlung in langen Sätzen

Seit sie im zarten Alter von 23 Jahren 2012 ihre Debütroman Blasmusikpop oder wie die Wissenschaft in die Berge kam veröffentlichte, ist Vea Kaiser eine Art Darling des Literaturbetriebs – auch in Kiel.

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In bester Erzähllaune und mühsam gebändigtem niederösterreichischen Zungenschlag: Autorin Vea Kaiser im Literaturhaus.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. In 160 Städten stellte sie den hochgelobten Erstling vor und hatte vermutlich schon damals wenig Scheu vor öffentlichen Auftritten. Im Mai 2015 erschien ihr zweiter Roman und weil auch der allgemeines Wohlwollen findet, strotzt die junge Österreicherin vor Selbstbewusstsein. Kiel war am Mittwoch die 102. Stadt, in der sie Ausschnitte aus "Makarionissi oder die Insel der Seligen" präsentierte – entsprechend routiniert war ihre Performance.

 In bester Erzähllaune und mühsam gebändigtem niederösterreichischen Zungenschlag gab die Autorin neben großzügigen Informationen zu ihrem Leben und Schreiben auch Einblicke in ihr breit angelegtes Familienepos, das vier Generationen umfasst und während sechs Jahrzehnten in nicht weniger als fünf Ländern spielt. Ähnlich grenzenlos wie die weltumspannende Handlung des Romans ist auch die Fabulierfreude der heute 26-Jährigen, die ein Studium des Kreativen Schreibens in Hildesheim nach nur einem Jahr abbrach, weil sie wusste, dass sie ihren Stil bereits gefunden hatte. „Ich liebe lange Sätze“, sagt sie und strahlt im Literaturhaus ins Publikum.

 Ihr Roman beginnt 1956 in einem von der Welt vergessenen griechischen Bergdorf, in dem Aberglaube und archaische Regeln noch hoch im Kurs stehen. Protagonistin Eleni, die schon mit sieben Jahren lieber Heldin als Prinzessin sein will, drängt es in die Welt. Sie möchte die erste kommunistische Präsidentin Griechenlands werden, Heiraten ist für sie keine Option. Doch nach dem Militärputsch 1967 wird es für Menschen ihrer politischen Gesinnung zu gefährlich im Land und so heiratet sie doch – ihren von der Großmutter für sie bestimmten Kinderfreund und Cousin Lefti, der einen Vertrag als Gastarbeiter in Deutschland in der Tasche hat.

 Die Ehe der beiden wird ein Desaster, Lefti verliebt sich in seine Deutschlehrerin und auch Eleni findet ein neues Glück. Das klingt nach einem schönen Happy End mit Hindernissen, doch so leicht gibt sich Vea Kaiser nicht zufrieden. „Mein Bruder war der Überzeugung, dass der Roman an dieser Stelle enden müsste. Doch er geht hier erst richtig los“, sagt sie vielsagend, ohne auf die weitere inhaltliche Entwicklung einzugehen. Lieber erzählt sie davon, dass sie ursprünglich einen Roman über Griechenland nach der Finanzkrise schreiben wollte, dann aber über die Geschichte des Landes (und ihre eigene) in die Handlung „hineingerutscht“ sei. Dass ihre ambivalente Figurenzeichnung von den altgriechischen Helden beeinflusst sei, erzählt sie auch. Und dass überhaupt allerhand Anspielungen auf die griechische Sagenwelt in dem Roman versteckt sind. Schließlich studiert Vea Kaiser seit 2007 Klassische und Deutsche Philologie mit Schwerpunkt Altgriechisch in Wien. Vielleicht wird sie ja bald damit fertig – wenn ihr nicht wieder ein Roman dazwischenkommt.

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