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Ägyptische Märchenstunden

„Aida“ bei den Eutiner Festspielen Ägyptische Märchenstunden

Giuseppe Verdis Aida ist so etwas wie die Mutter aller Freiluftopern. Jetzt schmückt das späte Meisterwerk des großen Italieners die 65. Spielzeit der Eutiner Festspiele. Das Premierenpublikum im ordentlich besuchten Halbrund am See reagierte am kühlen Freitagabend mit einem heißen Sturm der Begeisterung auf die Neuproduktion.

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 Der ägyptische König (Christoph Woo als Pharao) schenkt Radames als Belohnung für dessen Verdienste die Hand seiner Tochter Amneris.

Quelle: og

Eutin. Der Dirigent Urs-Michael Theus erweist sich als erfahrener Klangregisseur, passt das aus verschiedenen norddeutschen Opernhäusern und Gästen aus Lawrence / USA rekrutierte Orchester im wahrsten Sinne natürlich ein. Während Zartes zu Beginn und Ende sowie im Nil-Akt wunderbar mit dem Rauschen der Bäume und den Vogelrufen harmoniert, kann Dramatisches gern noch an Feuer zulegen. Aber vielleicht hilft es auch schon, bei besserem Wetter die klangdeckelnde Plane über den Musikern zu entfernen.

Gesungen wird hervorragend. Die Sopranistin Susanne Braunsteffer wagt in der Titelpartie – sozusagen auf den Spuren Montserrat Caballés – viele schöne Höhenpiani, gestaltet innig und in geschmackvoll biegsamen Melodiephrasen. In Eduardo Aladrén hat ihre jung wirkende Aida einen manchmal tapsig agierenden und zunächst etwas passiv singenden Radames. Doch der spanische Tenor lässt sich durchaus aus der Reserve locken, wenn Amneris vom Umgarnen zum Angriff übergeht, um ihn ihrer Sklavin Aida auszuspannen: Die russische Mezzosopranistin Milana Butaeva ist ein Aktivposten der Produktion, szenisch und stimmlich raumgreifend attraktiv, mit verlockend schönen, dramatisch aggressiven und schließlich heftig verzweifelten Tönen gerüstet.

Aus dem politischen Kampfgetümmel zwischen Ägyptern und Äthiopiern ragen kraftvolle Männerstimmen: der herrisch aufgeraute Bassbariton von Christian Sist als Oberpriester Ramphis, der verschlagen vollmundig strömende, lediglich in der Höhe begrenzt wutschnaubende Bariton von Johannes Schwärsky als Aidas königlicher Vater Amonasro und der schlanke Bass von Christoph Woo aus dem Ensemble der Kieler Oper als goldglänzend nobler König am Nil. Mit blühend originalafrikanischem Kolorit lässt außerdem die junge Maritim-Musikpreis-Stipendiatin Caroline Nkwe als Priesterin aufhorchen.

Intendantin Dominique Caron hat mit ihrem Regie-Team (Ursula Wandaress, Bühne; Martina Feldmann, Kostüme) eine Art handlungsnahes Tableau-Arrangement in die Naturbühne eingepasst – ohne jeden Versuch einer weiterführenden Interpretation. Vor den Treppen einer pharaonischen Tempelanlage werden bedächtig schreitende Priester und mit dem Schicksal ringende Figuren drapiert. Das Statische lebt dennoch, weil das Stück so gut ist.

Anstelle einer wünschenswerten Übertitelung der italienisch gesungenen Texte, raunt ein Erzähler ein paar Basisinformationen über Lautsprecher. So verstärkt sich noch der Eindruck, man wohne hier drei ägyptischen Märchenstunden im Zauberwald bei.

Solange die Sonne scheint, sieht das zwar ein wenig nach Sandalenfilm mit zu geringem Budget aus. Mit der einsetzenden Dunkelheit steigert sich aber die Atmosphäre. Und die Schlussszene, in der sich die Geliebten gemeinsam unter einer bedrohlich geneigten Grabplatte zu Tode hungern und die gescheiterte Nebenbuhlerin Amneris sich nach bewährtem Kleopatra-Rezept mittels eines Schlangenbisses das lieblose Leben nimmt, bekommt mit dem magischen Kreis der Tempelsängerinnen und durch Lichteffekte (Klaus Zimmermann) berührende Tiefe und Ausstrahlung.

Aufführungstermine am 17., 18., 25.und 31. Juli (jeweils um 20 Uhr) sowie am 9. August (um 18 Uhr) und 13. August (um 19 Uhr). Karten: 04521 / 800 10. www.eutiner-festspiele.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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