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Vertrackter Alltag: Kristine Thiemann fotografiert "Metropolen"

Vertrackter Alltag: Kristine Thiemann fotografiert "Metropolen"

Reife Männer, gezwängt in sperrige Einkaufswagen, mitten auf einem Schrottplatz wild herumrollend. Schmutzige Frauen, die mit allerhand Werkzeug an einem roten Ferrari in einer miefigen Schrauberwerktstatt basteln.

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Kiel. Ein Pastor, der während der Predigt zum Handy greift: Es sind Fotografien voller Widersprüche, absurder Spiegelungen und mitunter sarkastischer Brechungen, die derzeit im Centre Culturel Français gezeigt werden. Dass die Ausstellung der deutschen Fotografin Kristine Thiemann Metropolen heißt, obwohl ausgerechnet das provinzielle Norderstedt mitsamt französischer Partnerstadt Maromme porträtiert werden, ist dabei noch die geringste Irreführung. Thiemann hat große Szenen in kleinen Städten bildlich so inszeniert, dass der lokale Alltag mit seiner vertrackten Ambivalenz aus Liebenswürdigkeit und Tristesse offen hervorbricht. Die Bewohner wurden bei den Fotografien zum Teil eines Spiels, das sie selbst nicht immer verstanden haben dürften.Thiemann lebt und arbeitet in Paris. Sie kennt New York, Mailand, Vermont und New Mexiko wie ihre Westentasche. In ihren Arbeiten schimmert sowohl eine tiefe Liebe zum heimischen Norderstedt als auch zum ironischen Umgang mit den Attitüden des Provinziellen und Großstädtischen durch. Dass sie dabei gelegentlich in ihrem szenischen Ideenreichtum über das Ziel hinaus schießt, darf nicht davon ablenken, dass es sich in der Mehrzahl um sehr bemerkenswerte Bilder handelt. Bilder, die übrigens nach Ansicht von Jerome Carlier vom Centre Culturel Français auch gut „in jeder Metropole der Welt“ hängen könnten.

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