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Vom Nachdenken über Bilder

Die Kieler Kunsthalle präsentiert ihr Jahresprogramm Vom Nachdenken über Bilder

Zwei große, drei kleinere Sonderausstellungen und ein dezidierter Schwerpunkt mit drei Präsentationen im Kontext der eigenen Sammlung: Die Kieler Kunsthalle präsentierte am Freitag ihr Jahresprogramm, das insgesamt zwölf Ausstellungsprojekte ankündigt.

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Quelle: Thomas Judisch

Kiel. Mit der Schweizer Künstlerin Miriam Cahn holt sich die Kunsthalle im Frühjahr eine Künstlerpersönlichkeit ins Haus, die im internationalen Kunstbetrieb schon lange einen Namen hat. Auf Augenhöhe heißt die Ausstellung, die von aktuellen bis zu frühen Arbeiten den Blick auf ein Werk erlaubt, das Kunsthallendirektorin Anette Hüsch schon lange verfolgt und spürbar fasziniert. „Miriam Cahn, 67-jährige Malerin, Zeichnerin und Grafikerin, hat sich seit den Siebzigerjahren ein Zeichensystem geschaffen, mit dem sie immer noch arbeitet“, sagt Hüsch. Cahn arbeitet figurativ und formuliert in teilweise übergroßen Zeichnungen, Gemälden und Aquarellen existentielle Fragen zum Menschsein, zum Frausein, zu Körperlichkeit und Selbstbestimmtheit. Anette Hüsch schildert die Künstlerin als geradlinige Person, die es schaffe, im bildnerischen und schriftlichen Werk die Gratwanderung zwischen Kunst und Politik immer aufrechtzuerhalten. Farbgewaltig, kompromisslos eindringlichkeit und poetisch sind Attribute, mit denen sich Miriam Cahns Kunst charakterisieren lasse (12. März bis 24. April).

 Thomas Judisch, an der Muthesius-Kunsthochschule ausgebildet und nach wie vor mit Kiel und dem Norden verbunden, wird unter dem Titel Heute war gestern die Antikensammlung als Bühne seiner doppelbödigen Skulpturen nutzen. Der Ort ist programmatisch gewählt, denn sein Augenmerk gilt Sockeln und Stützen berühmter Skulpturen wie der Kapitolinischen Venus oder dem Apoll von Belvedere. Judisch erklärt gleichsam die funktionale Notwendigkeit zum Werk. Vom „neuen Objekt als Wiedergänger der alten Form“ spricht Anette Hüsch und ist sich sicher, dass Judisch damit die Frage aufwirft, was denn Kunst sei und wie stark unsere Sehgewohnheiten durch Konventionen geprägt seien. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit Kunstverein und Antikensammlung (23. April - 26. Juni).

 Der Muthesius Preis für Kunst, Raum und Design wird, was sinnvoll ist, im Wechsel mit dem Brockmann-Preis der Stadt Kiel vergeben. „Das ist inzwischen gute Tradition“, sagt Anette Hüsch. Die nur zehntägige Laufzeit möchte sie für intensive Vermittlungsangebote und Künstlerführungen nutzen (18. bis 26. Juni).

 Bei der diesjährigen Venedig-Biennale hatte Emeka Ogboh mit seinem Song of the Germans Furore gemacht. In zehn Sprachen des afrikanischen Kontinents erklang im Arsenale das Deutschlandlied. Die Klanginstallation, inzwischen von der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik angekauft, soll mit Arbeiten der eigenen Sammlung unter dem Titel Gebrochen Deutsch konfrontiert werden. Raffael Rheinsbergs gleichnamige raumgreifende Bodeninstallation aus gebrochenen Ostberliner Straßenschildern wird in diesem Zusammenhang Anlass geben zum „Nachdenken über historisch-politische Zusammenhänge, gesellschaftliche Prozesse und die Idee der Nation“. (9. Juli bis 11. September)

 Er ist das Gedächtnis des Hauses, ein lebendes Archiv, so Anette Hüsch über Peter Thurmann den langjährigen Sammlungsleiter der Kunsthalle, der sich im Herbst mit einer großen Ausstellung in den Ruhestand verabschiedet. Unter dem Titel Gott und die Welt spürt Thurmann als Kurator der Entwicklung vom sakralen zum autonomen Bild in der Kaiserzeit (1871 bis 1914) nach. Einer entscheidenden Phase der Moderne, in der die abendländische Tradition des christlich motivierten Werks einer künstlerischen Autonomie weicht. Die üppige Künstlerliste reicht von Ernst Barlach bis zu Anton Weisgerber. (1. Oktober bis 29. Januar)

 Die Sammlung wird auch 2015 wieder kräftig aufgemischt werden: Zeitgenossen, Dumas, Doig und die anderen lautet das Motto des „Umbaus“ , der Mitte Februar ansteht. Parallel zur Sonderausstellung von Miriam Cahn will Hüsch Künstlerkollegen präsentieren. (12. Februar bis 5. Juni)

 „Streng chronologisch“, sagt Anette Hüsch, „wurde die Sammlung in der Vergangenheit selten präsentiert“. Ab Sommer soll das Sinn machen, wenn unter der Fragestellung Was das Bild zur Kunst macht nachgezeichnet wird, welche Rolle die Werke der Kunst im „Bilderhaushalt ihrer Zeit gespielt haben und heute noch spielen“. (13. August bis 2017)

 Drei Ausstellungen in der Graphischen Sammlung, darunter unter dem Titel Ich will wirken eine Ausstellungen mit Blättern von Käthe Kollwitz, runden das Programm ab.

 35000 Besucher zählte das Haus in diesem Jahr. Verglichen mit 2014 „sind wir stabil geblieben“, so Anette Hüsch.

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