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Schöne Leere auf der Insel

Museum der Westküste Schöne Leere auf der Insel

Mit vier Ausstellungen startet das Museum Kunst der Westküste in Alkersum in die diesjährige Saison. Das Spektrum reicht dabei von hochkarätigen Neuerwerbungen über die Gruppenausstellung Empty Rooms, die sich dem Phänomen der Leere in der zeitgenössischen Kunst widmet, bis hin zu einer Serie von Schwarz-Weiß-Fotografien, die auf der Insel Lampedusa entstanden sind. Außerdem zu sehen sind augenzwinkernde Interventionen des Hamburgers Thomas Judisch.

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Trine Søndergaards „Interior #12“ aus dem Jahr 2010, Fotografie auf Aludibond.

Quelle: Ulf Dahl

Alkersum auf Föhr. Die Hauptausstellung Max Liebermann und Zeitgenossen umfasst mehr als 80 Werke. Darunter zahlreiche Neuerwerbungen aus den letzten drei Jahren. Dem Sammlungsschwerpunkt des Hauses entsprechend, stehen maritime Themen im Fokus. Mehr als 35 Arbeiten in der Schau stammen aus der Hand von Liebermann selbst. Ergänzt wird die Auswahl um Künstler wie den niederländischen Maler Jozef Israëls, mit dem Liebermann eng befreundet war. Einen Höhepunkt der Schau bildet Liebermanns erst Anfang Februar erworbenes Gemälde Muschelfischer (Graue See). Der Maler lässt sich hier vom Betrachter über die Schulter schauen. Er führt ihm in pastosem Farbauftrag die wogende See vor Augen, und er stellt räumliche Tiefe her, indem er den nur bis zu den Fußknöcheln im Wasser stehenden Muschelfischer mit einer Gruppe Badender im Hintergrund kontrastiert. Neu in die Sammlung gekommen sind aber auch Arbeiten von Künstlern wie Max Beckmann, Käthe Kollwitz oder Otto Müller.

 Die von Christiane Morsbach kuratierte Schau Empty Rooms. Die Schönheit der Leere vereinigt Arbeiten von elf Künstlern. Der Finne Lauri Astala lässt den Betrachter in seiner Videoinstallation durch zwei Fenster eines leeren Raumes auf eine Straße blicken. Was zunächst wie eine starre Aufnahmesituation wirkt, entpuppt sich im weiteren Verlauf als subtiler Testlauf für unsere visuelle Wahrnehmung. Kaum merklich, aber kontinuierlich verschieben sich bestimmte Details. Von dem britischen Künstler Alastair Mackie stammt eine skulpturale Arbeit, die wie ein verwunschenes viktorianisches Spukhaus anmutet. In Wirklichkeit handelt es sich um die Replika eines Puppenhauses, nachgebaut aus einem Werkstoff, den der Künstler aus verlassenen Wespennestern gewinnt. Die Düsseldorferin Julia Rothmund suchte ehemalige Heilanstalten auf. Ihre von perfekt durchinszenierten Licht- und Schatteneffekten geprägten Gemälde zeigen nur noch die leeren Räume. Diejenigen, die einst durch sie hindurchgingen, sind jedoch für immer verschwunden. Die Dänin Trine Søndergaard fotografierte für ihre Serie Interior in leer stehenden Gutshäusern. Die Aufnahmen entstanden ausschließlich bei natürlichem Licht und erhalten so eine nahezu malerische Qualität.

 In der Fotografieausstellung Lipadusa sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen des in Deutschland aufgewachsenen, jungen italienischen Fotografen Calogero Cammalleri zu sehen. Auf der Suche nach seinen Ursprüngen begab er sich auf die Insel Lampedusa. Er zeigt das ursprüngliche Leben der Fischer und Kinder auf der durch zahlreiche Flüchtlingstragödien in die Schlagzeilen geratene Insel.

 Besucher des Museums werden in diesem Jahr aber auch immer wieder auf kleine Interventionen von Thomas Judisch stoßen. Auf dem Rasen etwa hat der Hamburger Bronzeabgüsse von Pferdeäpfeln ausgelegt und ihnen Titel wie Alex, Peter und Fritz gegeben – für ihn ein ironischer Kommentar auf die Heroisierung von Feldherren und Herrschern in gängigen Reiterstandbildern.

 Die diesjährige Auswahl im Museum Kunst der Westküste bietet also einmal mehr einen künstlerischen Bilderbogen, der vom späten 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart reicht und nahezu alle künstlerischen Medien mit einbezieht.

  Die Ausstellungen: Max Liebermann und Zeitgenossen. Neue Werke in der Sammlung (bis 11.9.2016), Empty Rooms. Die Schönheit der Leere (bis 19.6.2016), Lipadusa. Calogero Cammalleri (bis 19.6.2016), Thomas Judisch. Interventionen im musealen Raum (bis 8.1.2017) im Museum Kunst der Westküste, bis 31. Oktober Di-So 10-17, 1. November bis 8. Januar 12-17 Uhr. Kataloge: Max Liebermann und Zeitgenossen. Boyens Buchverlag, 144 S., 80 Abb., 18 Euro, Lipadusa, Hrsg. Fabrica, 25 Euro. www.mkdw.de

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