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Vielfalt jenseits der Balance

Vierländerkonzert Vielfalt jenseits der Balance

Das Vierländerkonzert stellt gewissermaßen ein norddeutsches Nachspiel zum „Jugend musiziert“-Wettbewerb dar. Aktuelle Bundeswettbewerbs-Sieger aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen hierbei erneut zusammen, werden von Moderator Hans-Jürgen Mende kurzweilig vorgestellt und musizieren um den „NDR Förderpreis“.

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Vierländerkonzert in Kiel.

Quelle: LMR

Kiel. Die Zusammenstellung der Teilnehmer erscheint bei der diesjährigen Austragung im Kieler Musiculum am Sonnabend durchaus ein wenig kurios: Mit den Saxofonisten Lasse Schrank, Berit Engbers und Moritz Máté Kovács und ihrer Begleiterin Elisabeth Schönweiler (Klavier) eröffnet ein sympathisches Quartett aus Schleswig-Holstein den Nachmittag, das im Mai beim Bundeswettbewerb in der Altersgruppe III einen souveränen dritten Platz erspielte. Seine homogene, klangsatte und rhythmisch ansteckende Interpretation von Mickey Nicolas’ Suite Zodiacale für Saxofonquartett macht diesen Erfolg auch im mäßig besuchten Musiculum leicht nachvollziehbar. Wie aber will man ihn wirklich fair mit der fortgeschrittenen künstlerischen Reife vergleichen, die im Anschluss daran die beiden Lübeckerinnen Pauline Johanna Gude (Cello) und Clara-Sophie Gross (Klavier) in Benjamin Brittens Sonate C-Dur op. 65 für Violoncello und Klavier beweisen, die in der Altersgruppe V in Hamburg einen ersten Platz gewonnen haben?

 Statt über die Balance des Konzerts nachzudenken, sollte man sich also lieber über die Vielfalt freuen, die deren Vernachlässigung mit sich bringt: Da zeigt die niedersächsische Mandolinistin Charlotte Kaiser eindrucksvoll, wie versiert die Renaissance ihres Instruments auch von der nächsten Generation verkörpert wird. Ihre Kollegin Tabea Wink belegt den gleichen Sachverhalt für die Blockflöte und demonstriert in einem eigens für sie komponierten Stück von Dorothée Hahne erstaunliche Souveränität im Umgang mit Live Electronics. Und der Hamburger Bariton Jonathan Macker beweist mit drei Miniaturen von Mendelssohn, Loewe und Eisler, dass man auch im jugendlichen Alter schon die für glaubwürdigen Liedgesang erforderliche Tiefe entwickelt haben kann. Bevor sich die Jury nach ausführlicher Beratungsklausur entscheidet, den Förderpreis zwischen Johanna Gude und ihm aufzuteilen, stellen noch zahlreiche weitere junge Talente ihr Können unter Beweis, so dass der Parcours erst nach dreieinhalb Stunden endet – ars longa.

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